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0 Autor: Christian Wiensgol

Love A - Irgendwie

Irgendwie

Wenn Love A Postpunk spielen, dann mit Deutschpunk-Manieren. Wenn sie intellektuell angehaucht sind, dann mit Schnapsfahne. Und wenn sie auf ihrem zweiten Album persönlicher werden, dann niemals auch versöhnlicher.

Man kennt das: Eigentlich hat man Kulturpessimismus und Teilzeitmisanthropie hinter sich, aber irgendwie landet man doch auf den privaten Fernsehsendern, auf der Kirmes oder im Möbelhaus. Eigentlich und Irgendwie heißen auch die bisherigen Alben von Love A aus Trier, die sich weder großartig unterscheiden, noch unterschiedlich großartig sind. Trademarks wie aufgekratzte Hasstiraden und eine unverzerrt strampelnde Gitarre hat man schließlich nicht umsonst. Auch die Geschichte der Swimmingpool-Besitzer mit den leider nicht ertrinkenden Kindern findet ihre Fortsetzung beziehungsweise ihre Vorgeschichte, denn „Wenn sie nicht gestorben sind/ Dann haben sie ein Haus gebaut/ Und sie kommen da wahrscheinlich nie mehr raus“. So heißt es in Horstmannscher Hass, der natürlich der Hass von Sänger Jörkk ist. Der spricht weiterhin am liebsten in Ausrufezeichen, dem Songtitel Oder? zum Trotz. Dort heißt es: „Dass es so etwas wirklich gibt/ Hättest du nicht gedacht/ Dass es ausgerechnet dir passiert/ Unglaublich, oder?“ Und die Zynismusbrille, die der Opener Juri wodkatrunken aufgesetzt hat, verhindert zunächst die Erkenntnis, dass das Stück der erste waschechte ironiefreie Lovesong von Love A ist. Okay, eigentlich ist es ein Anti-Lovesong, immerhin rät Jörkk in letzter Konsequenz zum Strickknoten. Wer hier nicht an Turbostaat denkt, den erinnert deren Sänger Jan Windmeier per Gaststrophe im neu eingespielten Valentinstag-Geschenk gleich selbst an die Ähnlichkeiten. Dass Jörkk auch persönlich kann, wussten Sammler schon seit Entweder von der Frau-Potz-Split, in der er zwar gegen „all das dumme Geld in deiner Plastikwelt“ ist, aber eben auch für das rücksichtslose Abfeiern guter Musik. Versteckt er sich in Oder? noch hinter einem „du“, wechselt er in Entweder und im Kampf gegen Windmühlen ins „ich“ – und das „du“ ist der Feind: „Du hast keine Ahnung, wofür mein Herz schlägt!/ Du hast keine Ahnung, wofür ich bin!“ Kein Wunder, bei all der wunderbar verbissenen Konzentration auf das, was Love A nicht sein wollen. Für den Durchblick bei all dem Perspektiven-Gehüpfe helfen die Linernotes. Die kratzen aber auch an dem Bild von der Band, die man weder auf einen Bausparvertrag, noch auf ein Autogramm ansprechen sollte. Denn wenn Jörkk sich bedankt, dass man trotz Schnelllebigkeit in einem Booklet stöbert, werden aus manischen Unsympathischfindern sogar sympathische Unsympathischfinder.

Anspieltipps Oder? | Windmühlen | Valentinstag (In Husum)

Deutschpunk
Postpunk

Für Fans von:
Fehlfarben
"Monarchie & Alltag"

Turbostaat
"Vormann Leiss"

Leserbewertung: 10.1/12

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