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Tomahawk - Oddfellows

Oddfellows

Bisher galt Mike Pattons schräges Peeping-Tom-Album als seine definitive „Pop“-Arbeit. Tomahawks vierte Platte meldet nun aus der Rockperspektive Ansprüche auf dieses Label an.

Im Vergleich zu Mr. Bungles Karnevals-Avantgarde-Chaos und Fantômas’ Attacken auf das zerebrale Nervensystem waren Tomahawk immer schon Pattons konventionellste Band seit dem Ende von Faith No More. Nach der milderen Weltmusik-Expedition des Vorgängers "Anonymous" schmeichelt das in Nashville/Tennessee aufgenommene "Oddfellows" den Ohren nun sogar fast: Groovig lauernde Avantgarde- und Weirdo-Rock-Strophen lassen erst die Angst im Nacken des Hörers hochkriechen und ergießen sich dann häufig in orchestrale Gruppen-Chöre und maßvolle Alternative-Metal-Eruptionen, wie man sie von Faith No More kennt. Manchmal bleibt der Ausbruch wie in "I Can Almost See Them" oder "Baby Let’s Play" sogar ganz aus, und Patton gibt den Hall-unterstützten Crooner und Exorzisten und intensiviert die gefühlte Bedrohung dadurch nur noch. Mit "Stone Letter" hat er sogar so etwas wie den perfekten Popsong seines individuellen Rockuniversums geschrieben. Nur in "Rise Up Dirty Waters" wird es ein bisschen abgedrehter und Neu-Bassist Trevor Dunn – auch schon bei Mr. Bungle und Fantômas Mitglied im Team Patton – darf mit jazzigem Walking-Bass zeigen, was er kann. Der Rest von "Oddfellows" fließt in seiner latenten Horror-Atmosphäre, seinen dreckigen Rockstrophen und Pattons erhabenem Gesang fast hypnotisch dahin. Und demonstriert eindrucksvoll, was man bei Pattons Vorliebe für Experimental-Terror, Italo-Schlager und Ambient-Soundtracks schon mal vergessen kann: wie gut der Mann auch in vergleichsweise normalen Songstrukturen ist.

Bewertung: 10/12

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