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0 Autor: Daniel Gerhardt

Fiona Apple - The Idler Wheel

The Idler Wheel

Entweder wird Fiona Apple weich oder sie wurde weich gekocht. Ihr erstes Album nach langer Pause ist genauso analytisch wie poetisch und lässt sich nicht mehr ärgern vom Leben.

Es wäre keine Überraschung, wenn Fiona Apple während ihrer siebenjährigen Abwesenheit nur am ersten Song auf "The Idler Wheel" gearbeitet hätte: In "Every Single Night" erzählt sie davon, wie sich "the pain" als zweites Skelett unter ihrer Haut ausbreitet, wie sich ihr Herz durch den Brustkorb nach draußen schlägt und wie sie es zusammen mit einem "brother" isst, damit beide daran ersticken können. Die Musik muss also gar nicht mehr viel machen, Apple greift am Klavier vorbei und lässt sich von Marimba und Kontrabass umranden, dann singt sie "I just want to feel everything" und geht weiter zum nächsten Song. Fast alles auf "The Idler Wheel" ist Stimme, Piano und Percussion, vor allem ist es aber zweiseitig und abgewogen, als würde Apple jedes Wort aus dem Buch der absoluten Wahrheit über alles ablesen. Klar also, dass man das Album nicht mehr mit Tori Amos’ gebügelter Kunstfertigkeit oder den schmutzigen Theaterstücken von Amanda Palmer vergleichen kann. Am ehesten erinnert "The Idler Wheel" an Joanna Newsom, weil Apple ihre Stimme ähnlich schauspielerisch benutzt und viele Instrumente nur kurz den kleinen Finger in die Songs halten, und an Liz Phair, weil sie wieder alles singt und jetzt auch Namen von Leuten nennt, die sie fast mal über den Berg gebracht hätten. Die Annahme des Unglücks ist aber wichtiger auf "The Idler Wheel" als die Rettung davor – Apple erkennt und glaubt: "There’s nothing wrong when a song ends in a minor key." Sie ist klar und ruhig, endlich, und sie kriegt sogar einen Kick davon.

Bewertung: 10/12

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