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0 Autor: Sascha Ehlert

Seeed - Seeed

Seeed

Eine der kreativsten Popbands in Deutschland unternimmt den Versuch, an die eigene Geschichte und Peter Fox’ erfolgreiche Solokarriere anzuknüpfen. Ein Unterfangen, das eigentlich zum Scheitern verurteilt sein müsste.

Songs wie "Dickes B" und "Aufstehn!" lebten im letzten Jahrzehnt davon, dass Seeed Reggae, Dancehall und Berliner Schnauze so vermischten, dass ein Popentwurf entstand, der zwar anspruchsvoll war, aber auch funktionierte, wenn man sich darauf überhaupt nicht einlassen wollte. An der Akribie, mit der die Band ihre Songs arrangiert, hat sich auf Seeed nichts geändert. Nur die Mittel wurden ausgetauscht. Die Single "Beautiful" zum Beispiel setzt auf euphorischen Big-Band-Sound, ein Stilmittel, das Seeed im Lauf ihres vierten Albums häufiger nutzen. Dazu kommen 808-Drums, wabernde Sub-Bässe, Gameboy-Sounds und, ja, sogar Nu-Rave-Referenzen. Gleichberechtigt tauchen dann auch noch die bereits bekannten Dub- und Reggae-Anleihen auf. Bei dieser Tour de Force entstehen sind einige sehr starke Stücke entstanden, "Waste My Time" und "Elephants" etwa. Mancher Song hinterlässt aber auch einen schalen Nachgeschmack, insbesondere "Seeeds Haus", in dem ernsthaft Boys Noize als Sample-Geber herhält. Das Ergebnis klingt nach Kirmesmusik. Wer daraus jetzt den Schluss zieht, Seeed würden alt und einfach nicht mehr so "derbe Mucke machen" wie damals, der verklärt sich allerdings die Vergangenheit. Denn am Ende des Tages waren Seeed schon immer eher eine geniale Singles- als eine Album-Band. Eine, die die ganz großen Hits schreiben konnte, aber auch immer Füllmaterial auf den zugehörigen Platten hatte. An Seeeds Status als deutsche Ausnahmeband kann dieser Umstand allerdings auch diesmal nicht rütteln.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 7.6/12

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