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0 Autor: Daniel Matuschke

The Casket Lottery - Real Fear

Real Fear

Zehn Jahre nach "Possiblies And Maybes" und zwei nach dem Beginn ihres zweiten Lebens, schieben The Casket Lottery ein Album durch die Tür, dass Nervenkitzel und beklemmend schöne Melodien zwischen Posthardcore und Indierock auf dem Handrücken ausbalanciert.

Einen Hang zum Spielen mit einnehmenden Stimmungen hatte die Band schon immer, mit "Survival Is For Cowards" blieben sie oft ruhig, um anschließend einen Sturm aus Becken und Gitarren zu entfachen, der in und um Kansas City alles abräumte. "Real Fear" macht das ähnlich, ist aber auch in seinen stillen Momenten in der Lage, für (innere) Verwüstung zu sorgen. Das klappt gleich mit "Blood On The Handle", das sich durch alle offenen Fenster des Hauses annähert, während Nathan Ellis’ Worte aus dem Keller schallen. 20 Minuten später singt er in "The Door" „First step out of bed/ Half awake and half dead/ Racing past some pleasant dreams/ Deleting them from inside my head“, und fasst "Real Fear" damit ganz gut zusammen. The Casket Lottery stellen Angst und Bedrückung neben Schönheit und schwere Gitarren, Ellis singt fast durchgehend mit ver- oder entfremdeter Stimme, und alles fühlt sich an, als würde der Raum jeden Moment über einem zusammenbrechen. "Baptistina" beginnt als mildes Zugeständnis, das sich stufenweise in die Ausweglosigkeit hineinsteigert und schließlich in Verzweiflung entlädt. Mitten in der Abrechnung von "Poor Dorian" schlittert einem die Gitarre die Wirbelsäule runter. Das einsame "Radiation Bells" verbindet Licht und Dunkel mit Leichtigkeit. Möglich gemacht wird das alles aber erst durch die selten so wirksam aufeinander abgestimmte Symbiose von Schlagzeug und Bass: "Real Fear" ist nah genug dran, um einem die Songs direkt in den Nacken zu spielen, es ist konkreter als jede Gruselgeschichte.

Bewertung: 9/12

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