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Tremonti - All I Was

All I Was

Wenn einem nichts mehr einfällt, kann man immer noch ein Solo-Album aufnehmen.

Januar 2002, nicht gerade die Sternstunde in der Geschichte von VISIONS. Creeds "Weathered" schafft es tatsächlich auf den ersten Platz des Soundchecks, und auch wenn es dabei eindeutig vom schwachen Restangebot des Plattenmonats profitiert: So ganz können wir uns das bis heute auch nicht erklären. Auch ohne dieses zweifelhafte Qualitätsurteil hätte Gitarrist Mark Tremonti mit seiner Band natürlich viele Millionen Platten verkauft. Und dann noch eine ordentliche Portion mit Alter Bridge hinterher. Tremontis Toilette ist längst vergoldet, und auf dem Kaminsims stehen ein Grammy und Awards diverser Gitarrenmagazine. Er könnte also in Rente gehen. Doch die Zahl derer, die ihn für einen begnadeten Könner und Scott Stapp für den Schlimmen bei Creed halten, ist groß. Warum das so ist, muss sich einem auch nach dem Hören von "All I Was" nicht erschließen. Stromlinienförmig bollert und gniedelt sich Tremonti durch immer gleiche Stücke, die tonale mit emotionaler Tiefe und Doublebass-Gewitter mit musikalischer Härte verwechseln. Tremonti ist der Ansicht, ein richtig persönliches Heavy-Album aufgenommen zu haben, und vor lauter Freude darüber – und darüber, dass niemand mehr von Stapps behaarter Brust abgelenkt wird – knödelt er ein paar cleane Melodien über sterile Songhüllen. Aber eigentlich geht es um die hymnischen Gitarrenparts und die krossen Brathähnchen-Soli. Und darum, dass das alles so ein richtiges Brett geworden ist, was da hinter dem Arschgeweih-Tattoo-Cover wartet. "All I Was" ist wie ein Film vom verblendeten Dr. Uwe Boll: So actiongeladen, dass die Story scheißegal ist. So mies, dass es schon wieder lustig ist.

Bewertung: 3/12

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