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0 Autor: Daniel Gerhardt

Dinosaur Jr. - I Bet On Sky

I Bet On Sky
  • VÖ: 14.09.2012
  • Label: Jagjaguwar/Pias/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 234 - Schönheit der Ausgabe

Im Sofa versinken längst andere. Dinosaur Jr. zeigen sich auf dem dritten Album ihres zweiten Lebens wieder als altersweise, intakte Rockband.

"I Bet On Sky" unterscheidet sich erst mal nicht groß von "Farm" und "Beyond": Die Songs sind gleichzeitig zielgerichtet und uferlos, das Cover ist indiskutabel geil, die Produktion weit weg von LoFi, aber auch nie zu fett, weil das ginge ja gar nicht. Lou Barlow hat wieder zwei Lieder geschrieben, darunter das polkamäßig verschaukelte "Rude"; sie sind nicht ganz so gut wie zuletzt auf "Farm", was J Mascis allerdings ausgleicht, indem er besonders engagierte Solos drüberkleckert. Dass Schlagzeuger Murph Murph-Sachen macht, versteht sich von selbst, alles andere ist Mascis, seine Brille, seine Sehnsucht und seine Gitarre.

Zum Start stellt er sich neben einem Mellotron auf, was in der Theorie sehr naheliegend klingt, mit "Don’t Pretend You Didn’t Know" aber zu einer neuen Art von Dinosaur Jr.-Song führt. Jetzt passt ein Klavier dazwischen, die Gitarre bleibt lange unverzerrt, das Solo ist lang, aber zurückhaltend. Die Leichtigkeit dieses Stücks greift in abgeschwächter Form auch auf den Rest der Platte über, und darin unterscheidet sich "I Bet On Sky" dann doch von seinen Vorgängern: Alles bleibt kürzer, die Riffs sind weniger Stonerrock, "Almost Fare" klingt wie geloopt, und die Akustikgitarre hält das ganze Lied lang durch. Mascis singt dazu, was ihn schon immer beschäftigt hat, er bringt wieder viel "I" und an sich selbst Gerichtetes in den Texten unter, ohne am Ende zu viel Konkretes zu sagen. Eine Band, bei der die Lyrics vor den Gitarrentabs im Internet auftauchen, werden Dinosaur Jr. also nicht mehr, aber das Beste an Mascis war eh schon immer, wie er singt, nicht was.

"I Bet On Sky" findet das auch und gibt seiner Stimme mehr Platz als alle anderen Dinosaur-Jr.-Alben, sie klingt meistens unverbindlich und nach vager Enttäuschung, was frustrierend sein kann, aber auch sehr elegant wirkt, wenn Barlow nebenan im bereits erwähnten "Rude" mal wieder alles erzählt. Seine Texte wollen jedes Mal auch Lösungen sein und Zweifel ausräumen, das ist sein Ding und das ehrt ihn, auch wenn Mascis ihm immer eine Länge voraus sein wird, weil er längst eingesehen hat, dass Rock’n’Roll keine Leben rettet und niemandem etwas erklären kann. Vielleicht machen einen solche Erkenntnisse frei für Karrierehighlights wie das Gitarrensolo am Ende von "Watch The Corners" oder die allgemeine Überstürztheit von "Pierce The Morning Rain", das in der Albummitte besonders effektvoll auseinanderfällt. Und vielleicht ist es sogar der Grund dafür, dass seine ewig dysfunktionale Band nun schon länger ganz problemlos funktioniert.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 10.6/12

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