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0 Autor: Markus Hockenbrink

Alt-J - An Awesome Wave

An Awesome Wave

Die Kindertagesstätte weint. Jemand hat das ganze Holzspielzeug in Songs verwandelt und dann mit Öko-Beats kleingeschnitten.

Oder so. Vergleiche fallen schwer bei einer Band, die statt eines normalen Namens lieber eine Tastenkombination im Briefkopf führt und die auch sonst keinen Vertrag mit Konventionen hat. Tokyo Police Club dachten wahrscheinlich, dass sie bis in alle Ewigkeit den einzigen Song namens "Tessellate" im Repertoire haben, und dann kommt dieses Quartett aus Leeds daher. Die Triangel sei ihre Lieblingsform, sagen sie, es könnte aber auch das Lieblingsinstrument sein, schon allein deswegen, weil man damit so viel Quatsch machen kann. Alt-J stoßen Songideen aus wie andere Leute Rauchkringel, mit viel Luft dazwischen und der dickköpfigen Spielwut von Kindern nach der Bettzeit. Das ist irgendwo experimentell, aber trotz allem folkig, eingängig und frisch – Waldorfschule mit bayrischem Einser-Abitur. Ein Gespenst geht auch immer mit bei den abenteuerlichen Soundausflügen, denen von weit her der Sinn und die Dynamik zufliegen. Ein Baukasten, der sich selbst zusammensetzt, ein merkwürdiger und humorvoller Versuch, der Laufkundschaft die Lust am Rumprobieren einzubläuen. "An Awesome Wave" ist voll mit Intros, Interludes und allerlei Vokalsperenzchen: eingebildete Männerchöre, genörgelte Refrains und gequietschte Strophen. Alt-J haben viel herumgeschnipselt an ihrem Album, der äußere Eindruck ist allerdings sehr einheitlich und vor allem warm. Als Hintergrundmusik kann man das Album vergessen, dafür ist es aber gleichzeitig null anstrengend. Und man kann tolle Sachen dazu machen. Zum Beispiel sich verkleiden und ein Theaterstück schreiben.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 9.9/12

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