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0 Autor: Oliver Schröder

Graham Coxon - A+E

A+E

Der Blur-Gitarrist legt die Garderobe des melancholischen Songwriters wieder ab, lässt sich grinsend eine Zwangsjacke anlegen und veröffentlicht sein bis dato gewagtestes Soloalbum.

So formvollendet "The Spinning Top" das elegische Hörerherz auch zu trösten vermochte – die Songs gerieten darauf 2009 doch altersmilder als man sich das gewünscht hatte. Drei Jahre später scheint Coxon das genauso zu sehen, denn der Bruch zwischen dem aktuellen und dem letzten Album könnte größer nicht sein. Auf "A+E" herrscht das Geräusch über die Melodie. Überall blubbert, quietscht und rauscht es. Als "billiges Kopfschmerz-Ding" deklassiert Coxon seinen Ausflug in die aufnahmetechnische Fahrlässigkeit. Wobei allerdings klar ist, dass er den Sound der neuen Songs nicht annähernd so aus dem Ärmel geschüttelt hat, wie es zunächst den Anschein hat. Man spürt, wie lustvoll, aber konzentriert sich Coxon in den Prozess gekniet hat, um genau diese flirrende Spannung zwischen maschinell gefertigter Punktgenauigkeit und verschwommener Garagenschlunzerei hinzubekommen, die "A+E" auszeichnet. Wie ein vor Hitze brutzelndes Stromkabel zieht sich der Widerspruch durch die ganze Platte. Und befindet man sich erst einmal tiefer in der Materie, wird deutlich, dass das Geräusch gar nicht so mächtig ist, wie anfangs angenommen. "Advice" klingt nach sehr schlecht gelaunten, aber taufrischen Kinks, "Running For Your Life" lässt an die Zeit denken, als Coxon mit seinen Bandkollegen Ende der 90er den LoFi-Rock für sich entdeckte. "The Truth" geht wieder weiter zurück: Durch monotones Industrial-Dröhnen grimmig im Takt gehalten, schlägt hier als melodisches Herz ein Refrain wie von "Modern Life Is Rubbish".

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 10.0/12

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