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3 Autor: Martin Iordanidis

Anathema - Weather Systems

Weather Systems

Vom Doom Metal zum anspruchsvollen Alternative-Pop in 20 Jahren, warum nicht. "Weather Systems" wirkt wie Sonnenschein und Wolkenburgen – auf Postkarten.

Wer von Anathemas dunkler Metal-Vergangenheit nichts weiß, wird "Weather Systems" nicht im Traum mit dem harten Genre in Verbindung bringen. Eher mit ambitioniertem New-Age-Alternative, der nichts gegen eine Chartplatzierung einzuwenden hätte. Anathemas Geschäftsführer Danny und Vincent Cavanagh wollen es jetzt wissen: Sie bringen den Bandsound derart auf Stromlinie, dass auch Coldplay-Fans das Reinhören riskieren können. Die neun Songs reihen sich rhythmisch wie strukturell höchst aufgeräumt aneinander, der Gleitflug auf "Weather Systems" soll ohne Luftlöcher oder andere Schieflagen sicher zu Ende gebracht werden. "Untouchable 1" hebt mit perkussiven Gitarrenfiguren ab, die in ihrer ständigen Wiederholung kaum von Loops zu unterscheiden sind. Selbst die emotionale Eskalation von Cavanagh und seiner Duettpartnerin Lee Douglas, die den Song beendet, wirkt geprobt und kontrolliert. Der stille Zwilling "Untouchable 2" geht in eine Piano-Kontemplation über, betont offene Akkordfolgen wirken dabei wie der Versuch, große Spannung aufzulösen – aber die gibt es auf "Weather Systems" kaum. Wenn es doch mal kracht im Anathema-Luftschloss fühlt man sich schwer an Pure Reason Revolution erinnert. Die zweistimmigen Gesangslinien in "The Storm Before The Calm" werden mit Elektro-Elementen und maschineller Rhythmik beantwortet, und auch "The Gathering Of Clouds" lebt von Gegensätzen statt vom seichten Prog-Brot allein. Mit etwas mehr Hagel, Blitz und Donner hätte "Weather Systems" dabei das werden können, was die Natur vormacht: ein kleines Wunder.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 10.9/12

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Kommentare (3)

Avatar von FenderS FenderS 24.04.2012 | 15:18

diese Platte ist, das Großartigste, das ich seit langem gehört habe. wer allerdings denkt, dass es sich um Postkartenromantik Musik handelt, sollte mal nen Englisch Kurs machen. und wen so etwas emotional kalt lässt, der hält Texte von Unheilig bestimmt für Kunst.
bei Weather Systems liegt Schönheit nicht im Auge des Betrachters, sondern ist eine Tatsache.

Avatar von nequeo nequeo 23.04.2013 | 11:46

Hält sich immer noch in meinem CD Player. Für mich die beste Platte des vergangenen Jahres. Die Band verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit!

Avatar von Nitschke Nitschke 26.05.2018 | 18:37

Das Album ist wie aus einem Guss...jeder der Anathema nicht kennt sollte dies ändern...und mit dieser Scheibe beginnen! EIN SPÄTES MEISTERWERK IHRER UNGLAUBLICHEN KARIERE...Anathema können nur Hits schreiben!

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