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0 Autor: Jens Mayer

Japanische Kampfhörspiele - Kaputte nackte Affen

Kaputte nackte Affen

Die Band mit dem Grind-Metal-Bastelbrandsatz sagt zum Abschied nicht leise Servus, sondern geht, wie sie gekommen ist: mit ausgestreckten Mittelfingern.

Zwei Hypothesen kann man zum Ende von Japanische Kampfhörspiele in den Raum stellen: Schlagzeuger Christof Kather und Gitarrist Klaus Nicodem, die das Projekt 1998 ins Leben riefen, wollten die Band auflösen, ehe sie a) zum reinen Selbstläufer wird – Stichwort: Stagnation und Wiederholung – oder sie b) endlich den Durchbruch schafft. Beides würde nicht zum JaKa-Spirit passen, würde ihn geradezu fundamental unterlaufen. Beide Möglichkeiten deuten sich auf "Kaputte nackte Affen" aber auch deutlich an. Zum einen sind da natürlich Kathers gewohnt ätzende Texte, diese kleinen zynischen Abrechnungen mit der Gattung Mensch: "Die Krone der Schöpfung", "Primaten", "Kaputte nackte Affen", "Der Homo Sapiens", "Wenn die Menschen einmal nicht mehr sind" – klarer können Songtitel kaum sein. Irgendwann wäre die Form dieser Alltags- und Medienbeobachtungen in Kombination mit der unbarmherzigen Growl-Kreisch-Intonation ausgereizt und hätte damit an ihrer essentiellen Wucht verloren. Zum anderen ist die Platte auch musikalisch das vielseitigste Werk der Band, schaltet häufig einen Gang zurück, ist geradezu groovy, zitiert Thrash-Riffs und baut in die langen Instrumentalpassagen zweistimmige Metal-Soli, Elektro-Einsprengsel und sogar mal eine Akustikgitarre ein. Diese Variabilität macht das Album geradezu hörerfreundlich, und zeigt auf, welche Wege Japanische Kampfhörspiele noch hätten beschreiten können, wenn sie denn gewollt hätten. Wollten sie nicht. Die CD im Rohling-Look ist eine letzte Reminiszenz an ihre Anfangstage. Der Kreis ist geschlossen.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 11.0/12

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