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0 Autor: André Bosse

Destroyer - Kaputt

Kaputt

Auf Sinnkrise folgt Schaffenskrise folgt Notbremse folgt Meisterwerk

Eines Tages beschloss Dan Bejar, keine Songs mehr schreiben zu wollen. Das ist ungefähr so, als würde Manuel Neuer beschließen, das Halten von Bällen aufzugeben. Bejar war ein besessener Songwriter. Mit Destroyer veröffentlichte er seit 1996 opulente und wortreiche Indierock-Platten, dazu schrieb er Lieder für The New Pornographers, Swan Lake und Hello, Blues Roses. Doch nach der letzten Destroyer-Platte "Trouble In Dreams" erlebte Bejar diesen seltsamen Moment, in dem Künstler plötzlich die Gewissheit haben, dass alles gesagt ist. Jede neue Idee erscheint banal, jeder Akkord wird zum Ärgernis. Bejars Rettung waren Blicke nach links und rechts: Er lernte die verstörenden Scherenschnitte der Künstlerin Kara Walker kennen, die mit dieser alten Kunst rassistische und chauvinistische Missstände thematisiert; für die erste EP nach der Schreibblockade tat sich Bejar mit dem Minimal-Techno-Musiker Tim Hecker zusammen. Dann ging Bejar ohne große Vorahnung ins Studio, engagierte die Begleitband The Kaputt Players und tauchte unverhofft in eine abseitige Parallelwelt: Was "Mad Men" für die Werbewelt der frühen 60er-Jahre ist, ist "Kaputt" für den Soft-Rock-Pop der frühen 80er. Bejar simuliert die Klänge, den Hedonismus und die Leichtigkeit. Doch er zitiert nicht, sondern interpretiert – manchmal zynisch wie im Titelsong, manchmal unglaublich sehnsuchtsvoll wie in "Poor In Love" oder "Bay Of Pigs". Damit erschafft Bejar eine Welt, in der nicht mehr zählt, ob man das, was man hört, überhaupt hören möchte (Drumcomputer, Saxofon, Keyboard). Entscheidend ist allein, dass auf Kaputt eine Stunde lang alles perfekt und am rechten Platz ist.

Bewertung: 11/12
Leserbewertung: 11.0/12

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