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0 Autor: Markus Hockenbrink

Best Coast - Crazy For You

Crazy For You
  • VÖ: 06.10.2010
  • Label: Wichita/Cooperative/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 210

Beth Cosentino ist erst Mitte 20, aber schon voller nostalgischer Wehmut. Ihre kurzen Bubblegum-Songs fangen gespielte Unschuld und echte Sehnsucht ein und sorgen damit für die unwiderstehlichste Charme-Offensive des Sommers.

Manchmal scheint es, als habe Beth Cosentino alias Best Coast ihre Schulzeit noch nicht so richtig überwunden. Zumindest gibt es Nachholbedarf. „I wish I could go back to when I was 17“, singt sie, und der Grund dafür liegt auch auf der Hand – nie wieder fühlt man Dinge so intensiv und meint sie so aufrichtig. Das gilt erst recht für Menschen, die die Gelegenheit verpasst haben und jetzt trotzdem bei McDonald’s arbeiten müssen. Ihnen dürfte Crazy For You wohl am meisten sagen, denn schon der Sound der LP holt einen da ab, wo man die Good Vibrations des Lebens am ehesten erwartet: auf dem Cover einer Beach-Boys-LP.

Cosentinos Songs sind bewusst eindimensional gehalten, bestehen praktisch ausschließlich aus den Vokabeln „love“, „cute“ und „crazy“ und beschreiben die Art romantischer Liebe, die übers Händchenhalten nicht hinausgeht und die Welt vor allem in Hauptsätzen sieht. „I lost my job/ I miss my mom/ I wish my cat could talk.“ So viel Niedlichkeit würde unheimlich oder wenigstens unwirklich wirken, wenn Best Coast ihre Songs nicht mit absolut zwingenden Harmonien ausstatten würden, die irgendwie smarter wirken als der erste Eindruck der Texte. Ohne die geschrammelten Gitarren könnte man Crazy For You trotzdem ohne weiteres für einen Girl-Group-Klassiker von 1963 halten, und das ist im Pop-Kontext mit das größte Kompliment überhaupt. Plus: Die Songs auf den vergriffenen Vinyl-Singles waren sogar noch besser.

Bewertung: 9/12

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