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0 Autor: Dennis Drögemüller

Cave In - White Silence

White Silence
  • VÖ: 15.07.2011
  • Label: Hydra Head/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 220 - Schönheit der Ausgabe

Cave In sind wieder da. So richtig. Wer sich aber nach einigen experimentellen Phasen eine Rückkehr zum Jupiter- oder Antenna-Sound erhofft, wird nicht bedient. Nicht so richtig.

Whatever you want us to be (we are not). Das könnte das Motto dieser Band sein, die sich seit jeher den Erwartungshaltungen widersetzt und in Folge des Majoralbums Antenna auch an genau dieser Zerrissenheit zu zerbrechen drohte. Zu sehr schienen die zig Projekte und Bands der Mitglieder den Kern zu zerfasern. Auch als sie sich 2009 mit der EP Planets Of Old offiziell zurückmeldeten, standen viele Fragezeichen im Raum: Wo soll es hingehen? Zurück zu den Wurzeln, heavy und kompromisslos? Eine erneute Ausweitung des Prog- und Spacerock-Einflusses oder doch eine Besinnung auf knackig-eingängige Alternative-Songs? White Silence wischt erst mal alle Erwartungen vom Tisch und zertrümmert den Tisch gleich mit: vier schrammelige Akkorde, während Stephen Brodsky mit seinem verzerrten Geschrei wohl alle vertreiben will, die nicht vollkommen offen an das erste Studioalbum der Band seit acht Jahren herangehen. Auch Serpeants hat wenig Interesse daran, diese Platte zu einer gemütlichen Angelegenheit werden zu lassen. Wie vom Teufel getrieben drischt John-Robert Conners auf die Felle ein, während man sich Brodskys blutrot angelaufenes Gesicht beim Herauspressen der Worte bildlich vorstellen kann. Die Heavyness bleibt auch bei Sing My Loves erhalten, der achtminütige Brocken knüpft jedoch schon eher an die Prog-Tradition der Band an und versöhnt schließlich mit einer schönen Gesangmelodie von Brodsky. Es ist das stärkste Stück der Platte, ihr Herz. Doch zu diesem Zeitpunkt hat White Silence noch keine endgültige Versöhnung im Sinn. Vicious Circles will den tiefen Groll auf den Punkt vertonen, der in uns schlummert, während sich das treibende Centered sicherlich nicht dazu eignet, die innere Mitte finden. Erst Summit Fever läutet eine neue psychedelische Klangfarbe ein, die im akustisch dominierten Schlussdrittel des Albums vorherrscht. Dort mag man mal die Beatles, mal Pink Floyd, vielleicht sogar Tom Waits heraushören, vor allen Dingen aber eine Band, die wieder mal auf der Suche zu sein scheint, die zumindest kein großes Interesse hat, sich auf irgendwas festzulegen. Keine Frage, Cave In sind musikalisch unangreifbar und überzeugend. Dafür verlangen sie ihren Hörern einiges ab, denn auf Kompromissen lässt sich White Silence in keiner Sekunde ein. Die Fragezeichen über die Ausrichtung von Cave In 2011 sind nicht verschwunden. Klar ist aber: Diese Band braucht alle Freiheit, um sich Songs von der Seele zu schreiben.

Leserbewertung: 11.0/12

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