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0 Autor: Martin Iordanidis

Earth Crisis - Neutralize The Threat

Neutralize The Threat

Metal? Fein. Oldschool-Hardcore? Sowieso. Earth Crisis wirken nach 20 Jahren im harten Soundfeld geistig frischer, als der Begriff Nachlassverwalter je klingen wird.

Was hat man Karl Buechner und seinem veganen Krisenstab nicht schon für Bösartigkeiten nachgesagt. Die unterstellte Straight-Edge-Intoleranz passt spätestens seit 2001 nicht mehr ins Bild. Mit Last Of The Sane huldigt die Band aus Syracuse/New York Rockriesen von Led Zeppelin über Black Sabbath bis Slayer, der dämliche Disput um Drogenkonsum gilt seitdem als Zeitverschwendung. Wie auf dem Vorgänger To The Death bekennen sich Earth Crisis auch 2011 selbstverständlich zum Metal. Sie nutzen dessen Sound, ohne die ideellen Werte des Hardcore dafür in den Hintergrund zu spielen. Das macht Earth Crisis musikalisch so unprätentiös wie der Anzug eines Soziologie-Professors – zweckmäßig, im Idealfall vorzeigbar. Neben notorischen Guttural-Vocals schreibt Buechner fleißig auf Zeile, wenn es um seine Message geht. Neutralize The Threat ist lose in ein Konzept eingebettet, es thematisiert Selbstjustiz wie den geschichtsträchtigen Fall Bernhard Goetz und setzt sich – vermutlich kritisch – mit der politischen Dimension der Bürgerwehr auseinander. Die Songstrukturen, die all das tragen, verraten ihre Gradlinigkeit nie an Solo-Salti oder romantischen Metal-Firlefanz. Earth Crisis’ Siebte ist damit nüchtern, sendungsbewusst, aber auch zu versachlicht. Zehn Songs lang kommt Neutralize The Threat ohne markante Wegpunkte im Songwriting aus. Hatecore, der tätowierte Knastonkel, genießt nach wie vor allen Respekt der Familie. Seine Geschichten hat er aber schon mal spannender erzählt.

Bewertung: 7/12

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