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0 Autor: Martin Iordanidis

Devin Townsend - Ghost

Ghost

Weil jede Veränderung zwei Seiten hat, macht Devin Townsend aus Zwiespalt eine Tugend, aus Paranoia Prog-Metal und aus Hoffnung Ambient-Folk. Im Doppelalbum hält das besser.

Cannabis, Alkohol, Pornos und am Ende sogar der Espresso – Devin Townsend hat mächtig die Psyche ausgemistet und dabei alle (nicht-)stofflichen Abhängigkeiten vor die Tür gesetzt. Ein Mensch mit sich selbst im Reinen - das ist natürlich schlecht für den Kultstatus des wahnhaften Weirdo, den alle Welt dem Kanadier so gerne unterstellt. Dessen Katharsis verspricht, hier den wahren, reinen und schönen Devin zu hören, und zumindest Ghost passt wunderbar in dieses Bild. Eingepuschelt in transzendentales Glück lässt Townsend Testballons in die Stratosphäre steigen als gäbe es keine Zeit. Dafür braucht er wenig Worte, eine sachte Akustikgitarre und die Flötistin Kat Epple von dem 1970er New-Age-Duo Emerald Web (fragt Mama). Metal ist definitiv anders. Weil es ohne Hassliebe aber doch nicht geht, kommt Deconstruction, das fiese Album der hiermit abgeschlossenen Tetralogie, mit aller Schwarte von Strapping Young Lad daher. Townsends verspulter Zappa-Metal beweist darauf Sympathien für große Chöre und das Pathos, das sich damit transportieren lässt. Tatsächlich plant Hevy Devy live das ganz große Kino mit Sinfonieorchester und Gesangsverein. Man möchte jetzt schon in Deckung gehen. Auf Konserve wird dieser Klang-Schwulst mit lustigen Dreingaben wie Pupskonzert (Deconstruction) und Hörspiel-Schnipseln angereichert, nur Stand und The Mighty Masturbator setzen das Prinzip Vollgas kurz außer Kraft. So ist das eben, wenn man mit den Drogen aufhört. Viel ändert sich nicht, aber wohin mit der ganzen Zeit?

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 9.0/12

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