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Pentagram - Last Rites

Last Rites

Ein Wunder, dass dieses Album überhaupt existiert. Viel eher hätte man mit der Todesnachricht von Bobby Liebling rechnen können.

Doch der kleine Hippie ist zäh. Seit 40 Jahren steuert er das Schiff Pentagram durch unruhige Gewässer. Ebenso lang hat er sich Unmengen an Heroin, Methadon und Crack reingefahren. Jetzt, mit 57 Jahren, ist er clean, frisch verheiratet mit einer 24-Jährigen und Vater eines Sohnes. Dass "Last Rites" kein großer Wurf ist, wird da zur Nebensache. Wenn man den Klassiker "Day Of Reckoning" außen vor lässt und ehrlich ist, muss man sagen, dass Pentagram nie für musikalische Meisterwerke standen, sondern eher für ihre kuriose Ausnahmeposition innerhalb der Heavy-Rock- und Doom-Metal-Geschichtsschreibung. Wobei Liebling vom Begriff "Doom" sowieso nichts hält. So findet sich auf "Last Rites" auch kein Stück, das dem schleppenden Sound von etwa Candlemass, Electric Wizard oder sogar den frühen Black Sabbath besonders ähneln würde. Sicherlich sind die Gitarren von Victor Griffin, mit dem Liebling nach 14 Jahren Sendepause wieder kollaboriert, schwer und dick produziert. Doch was er da verzapft, ist meist rifflastiger Heavy-Rock, dessen Vorbilder sowohl in den frühen 70ern liegen als auch in der New Wave Of British Heavy Metal. Zu einer gniedeligen Powerballade wie "Windmills & Chimes" gehört viel Mut: um sie ernsthaft zu schreiben und ernsthaft zu hören. Überzeugender ist da "8". Das klingt – ungelogen – stark nach Kylesa. Die elf Songs hatte Liebling lange auf Halde liegen. Bisher war er nur nicht in der Verfassung, sie aufzunehmen. Nun sind Pentagram und er für drei Alben bei Metal Blade untergekommen. Drücken wir die Daumen, dass er den Vertrag erfüllt, ja dass ihm bestenfalls Rick Rubin unter die Arme greift. Der kann mit alten Männern doch so gut.

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 10.0/12

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