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0 Autor: Markus Hockenbrink

Thurston Moore - Demolished Thoughts

Demolished Thoughts

Thurston Moore führt des Kaisers neue Kleider aus. Jenseits des schönen Lärms findet er ziemlich viel Ödland.

Seinen Status als unnahbares Indie-Genie hat sich Thurston Moore zur Hälfte durch seine Musik erworben und zur Hälfte mit dem bösen Blick des passionierten Plattensammlers. Deine Lieblingsmusik ist obskur? Thurstons Lieblingsmusik ist noch viel obskurer – und kommt obendrein noch auf dem eigenen Label raus! Fundamentalkritik an dieser Einstellung wurde in der Vergangenheit mit gelegentlichen Pop-Ausflügen entgegengewirkt, von denen Psychic Hearts auch 16 Jahre später noch der mit der hübschesten Aussicht ist. Demolished Thoughts andererseits ist nun Moores vorsätzlicher Versuch, dem Schönklang einen Posten neben seinem Nuschelmikro freizuräumen und das Instrumentarium dabei auf Gitarre und Streicherduo zu beschränken. Indie-Gitarristen machen das manchmal, so wie Bob Dylan und Billy Idol eben ihre Weihnachtsplatten. Das Ergebnis ist ähnlich monochrom: Sonic Youths Dynamik wird weggefiltert durch teilnahmslos wirkendes Dauergeschrammel, das eine akustische Version der Hauptband vortäuscht. Im Vordergrund verteilt der Sänger allerhand Beziehungstipps an allerhand Girls, dahinter umschwärmen die Streicher Moores havarierte Songladung. Auch wenn es das Cover-Artwork nicht direkt nahelegt, ist Demolished Thoughts eine extravagante und egozentrische Platte voller ominöser Atmosphäre geworden, die vor allem die Machtverhältnisse von Anno Dazumal wieder spiegelt. Es ist Lollapalooza 1997, und gleich spielen Porno For Pyros. Thurston Moore braucht ein Gegenprogramm. Oder einen postironischen Starschnitt seiner selbst.

Leserbewertung: 8.5/12

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