Zur mobilen Seite wechseln
3 Autor: Dennis Drögemüller

Graveyard - Hisingen Blues

Hisingen Blues
  • VÖ: 25.03.2011
  • Label: Nuclear Blast/Warner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 217 - Schönheit der Ausgabe

Den Fieber-Blues haben Graveyard von Black Sabbath, den tödlichen Groove und die kreischende Erotik von Led Zeppelin. Mehr als das hat es im Idealfall noch nie gebraucht.

Und mit genau so einem hat man es bei Hisingen Blues zutun. Graveyard machen nicht den Fehler vieler anderer Epigonen der Ursuppe psychedelischen Hardrocks, sich grob an die Vorbilder anzulehnen und dann am eigenen Modernisierungsanspruch zu scheitern. Stattdessen verschmelzen die vier Schweden auf ihrem zweiten Album einfach das Beste aus beiden Welten – das allerdings mit einer Präzision, die ihresgleichen sucht.

Da ist zum einen der psychoaktive Sound, der dem Album mit Flanger, Fuzz und Distortion durchgängig ein leichtes Hitzeflimmern verleiht, für Songs wie Ain’t Fit To Live Here oder den an Paranoid geschulten Titeltrack aber auch schon mal vollends in die drogeninduzierten Niederungen des saftig brummenden Sabbath-Dooms abtaucht. Spätestens in solchen Momenten macht sich die komplett analoge Produktion von Hisingen Blues bemerkbar. Die Platte wirkt wie ein lebendiger Organismus, sie atmet und pulsiert. Bräsig oder verkifft klingt sie jedoch nie, weil Led Zeppelin als noch gewichtigerer Einfluss den Songstrukturen mächtig Drive und Dynamik verpassen.

Der Einfluss von Page, Plant und Co. erstreckt sich tatsächlich noch bis in die letzten Winkel des Albums: von der nach oben schrill ausbrechenden Rockstimme des Sängers Joakim Nilsson über die wummernden Bassfundamente und den psychedelischen Power-Groove bis hin zum Laut-Leise-Spiel und den Soli lässt sich beinahe jedes Riff, jedes Break, jedes Bruchstück auf die prägende Über-Formation der 70er Jahre zurückführen. Dass das nicht wie Malen nach Zahlen von I bis IV aussieht, liegt an der schieren Kraft und Leidenschaft, mit der Graveyard agieren: Der atemberaubend dynamische Psycho-Blues von Buying Truth (Tack Och Förlåt), die als Hippie-Psychose wiedergeborene Mittelalter-Ballade Longing, das powerballadeske Glenn-Danzig-Lookalike Uncomfortably Numb oder die übermächtig aufbrandende Led-Zep-Orgie The Siren – das alles kommt nicht nur fehler-, sondern auch mühelos daher. Selbst eine Blues-Fingerübung wie RSS gerät der Band zum Spektakel, das die Magie der Gründerväter des Rock wieder fühlbar macht. Das gelang so ähnlich zuletzt höchstens Them Crooked Vultures, die dafür immerhin Original-Zeppelin-Basser John Paul Jones aufbieten mussten. Und selbst gegen solche Konkurrenz gibt es auf Hisingen Blues immer noch neun gute Gründe, Graveyards kompakte Song-Kraftpakete den ausladenden Jam-Sessions der Herren Grohl, Homme und Jones vorzuziehen.

Leserbewertung: 9.7/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Kommentare (2)

Avatar von H.G. Dawn H.G. Dawn 25.04.2011 | 00:37

Habe die Jungs im Hamburger Headcrash bewundern dürfen und war schlichtweg hin und weg. Hisingen Blues lief seit Tagen in meinem Plattenspieler und doch stellte diese Band alles in den Schatten, was ich von ihnen erwartete. Das war richtige Musik, kein Plastik, keine 20 Bodentreter, kein perverses Rumgepose, das war Rock and Roll !!!
Mehr davon, bitte.

Avatar von el marvo el marvo 05.12.2011 | 18:22

Habe Graveyard im Berliner Comet Club live bewundern dürfen und muss sagen, dass mir dieser Clubauftritt noch Ewigkeiten in Erinnerung bleiben wird. Ich bin auf echt guten Konzerten gewesen, wie zum Beispiel bei 3 Doors Down, System Of A Down und Alter Bridge. Graveyard müssen sich vor diesen Bands aber in keinster Weise verstecken.
Mit Hisingen Blues haben sie mein Album des Jahres herausgebracht und einen Fan für sich gewinnen können.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.