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0 Autor: Maik Mearten

Vessels - Helioscope

Helioscope

Da das Laut-Leise-Schema im Postrock sich langsam abnutzt, schlagen Vessels eine etwas andere Vorgehensweise vor: laut und mittellaut.

Und das ist nur legitim für eine Band, deren Schlagzeuger kaum mal still sitzen kann und jeden Takt bis Oberkante Unterlippe mit wirbelnden Beats ausfüllt. Meist ist die Band auf "Helioscope" folgerichtig dann am besten, wenn sie sich einfach davon anstecken lässt, das Hirn einfach mal Füllmasse im Schädel sein lässt und sich ein bisschen breitbeiniger vor die Verstärker stellt. So entwickeln sich im überhaupt nicht monotonen Opener "Monoform" gleich diverse Sogmomente aus der Verbindung von postrockender Sturheit und tanzflächentauglichen Rockrhythmen. Ohne sich stilistisch an irgendeinen Hype anzubiedern, gehen "Vessels" immer wieder kleine Kompromisse ein, um ein wenig Farbe und Bühnenschweiß in ihren Soundkosmos hineinzulassen.

Der plötzliche Urknall in The Trap kommt daher tatsächlich mal unverhofft, weil der Song vorher schon im Hippel-Modus ist und man gerade überhaupt nicht vermutet, dass es noch mal einen Gang höher geht. Auf halbem Wege ziehen "Vessels" dann allerdings mit "Meatman, Piano Tuner, Prostitute" die Handbremse an und krönen das kraftlose Geklimper auch noch mit mittelmäßigem Falsettgesang. Auch wenn sich die Band danach wieder fängt, so richtig butterweich ist die zweite Hälfte von "Helioscope" nicht mehr. Der übermäßig dröhnende Stakkato-Rocker Art/Choke ist etwas zu gut gemeint und "Heal" nicht mal ein richtiger Song. Dass gegen Ende Akustikgitarren und zumindest für dieses Genre ungewöhnlich konventionelle Songstrukturen dem angezählten Album noch etwas kreative Frischluft verpassen, macht einige Fehler wieder gut.

Leserbewertung: 10.5/12

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