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0 Autor: André Bosse

Gang Of Four - Content

Content
  • VÖ: 28.01.2011
  • Label: Grönland/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 215

Geburtsjahr der Band: 1977. Die Gang Of Four hat 34 Jahre auf dem Buckel. Und klingt wie ein Ersti, der keine Vorlesung verpasst und der Fachschaft beitritt.

Engagement ist seit jeher Teil der Band aus Yorkshire, deren gleichermaßen melodische und kantige Frühwerke zur Grundausstattung jedes Postpunks gehörten – und noch immer gehören. Damals war der Norden Großbritanniens ein dreckiges Loch, geprägt von saufenden Chauvis und schimpfenden Patrioten. Heute sehen die beiden übrig gebliebenen Gang-Originale Jon King und Andy Gill ein anderes England. Sauberer, sicher aufgeklärter – aber im Grunde genauso bankrott wie die natürlich hundertmal mehr leidende Nachbarinsel Irland. Dazu hat sich die Gesellschaft zu Tode differenziert. Themen der ersten Gang-Of-Four-Songs waren noch die großen Lagerkämpfe: Gewerkschaft gegen Staat, links gegen rechts, freies Individuum gegen Kapitalismus. Heute fragt Sänger Jon King: „Who am I, when everything is me?“, und wundert sich, dass den Leuten auf der einen Seite die Sozialgelder gekürzt werden und sie auf der anderen Seite als Konsumenten gefälligst die Konjunktur ankurbeln sollen. Die ersten Songs auf dieser ersten Platte mit neuen Songs seit 1995 (zuletzt hatten sie sich 2005 auf "Return The Gift" selbst gecovert) spielen die beiden Originalmitglieder und ihre neue Rhythmusgruppe mit so viel Schmiss und Frische, dass es eine Freude ist: Funk im Rhythmus, Pop in der Melodie, Punk in der Attitüde. Erst im Verlauf von "Content" schleichen sich schwächere Momente ein, wenn ausgerechnet scheinbar moderne Vocoder-Effekte so spannend sind wie Beuteltee ohne Zucker. Da hat man den hochprozentigen Partyprotest der lauten Songs deutlich lieber.

Bewertung: 7/12

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