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0 Autor: Daniel Gerhardt

Bob Dylan - The Original Mono Recordings

The Original Mono Recordings
  • VÖ: 10.12.2010
  • Label: Columbia/Sony Music
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 213

Wie alles begann. Also wirklich alles. Und dann noch, wie es weiterging. Zwei Boxen zeichnen Bob Dylans Zeitvertreib zwischen 1962 und 1967 nach. Für Fachidioten.

Die Bootleg Series kommt mit Teil neun wieder am Anfang an und muss sich schon sehr strecken, um noch mal eine Doppel-CD vollzukriegen: nur 15 der 47 Witmark Demos waren bisher unbekannt. Als Album machen sie aber die Entwicklung eines jungen Songwriters nachvollziehbar, die so schnell vor sich geht, dass die Nuancen darin oft übersehen werden. Nicht alle frühen Dylan-Songs sind Protestlieder, nicht alles ist grimmig und nicht alles vom Fleck weg genial. Die Witmark Demos sind da uneitel, es entgleist auch mal ein Song, Dylan vergisst die zweite Strophe, Dylan muss husten. Seine Emanzipation von alten Folkvorbildern hin zu eigenen Melodien und eigener Sprache findet wie beiläufig zwischen diesen Kuriositäten statt, und wenn alles vorbei ist, ist Dylan gerade 23. Von den acht Alben, die als Original Mono Recordings zusammengefasst werden, hat er da schon vier veröffentlicht. Anschließend erfindet Dylan den Folkrock, schreibt "Like A Rolling Stone" und macht auch sonst viel Gutes. Zwischen Mono- und Stereohörern findet zur gleichen Zeit eine Art Glaubenskrieg statt: Stereo ist teurer, edler, wird aber hauptsächlich benutzt, um die einzelnen Instrumente einer Aufnahme auf zwei Boxen zu verteilen. Dem Ansatz von Dylans Band-Platten wirkt das entgegen, weil es ihm darum geht, den Sound einer Einheit einzufangen, einer Verselbstständigung, bei der technische Feinheiten und Lautsprecher-Sortierungen keine Rolle spielen. Mono klingt deshalb vor allem "Bringing It All Back Home" großartig – wahrscheinlich, weil es das Album ist, auf dem Dylan und seine Band am hemmungslosesten ins Rumpeln geraten.

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