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0 Autor: André Bosse

Carl Barât - Carl Barât

Carl Barât
  • VÖ: 01.10.2010
  • Label: Arcady/PIAS/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 211

Das große Jahr des Carl Barât erlebt den nächsten Höhepunkt.

Kurze Chronologie der Barât-Festspiele 2010: feierliche Wiedervereinigungspressekonferenz mit Pete Doherty im März, fulminante Festivalauftritte im August und jetzt auf einen Schlag ein Buch mit Episoden aus seinem Leben sowie dieses Soloalbum. Selbstverständlich gönnt man ihm diesen Lauf. Barât hat im Schatten der furchtbaren Doherty-Gossip-Schlacht tapfer weiter Musik gemacht, und die Platten mit den Dirty Pretty Things sind ja auch tadellos – was auch genau ihr Problem war, denn ein tadelloser Libertine ist so viel Wert wie Lothar Matthäus ohne Eheprobleme.

Es wäre aber ein Fehler, Carl Barât als schnell dahin geworfene Skizze zu beurteilen, bevor sich Barât nun wieder darum kümmern muss, eine Plattenaufnahme mit Pete Doherty zu überleben. Dafür sind diese zehn Songs viel zu konzentriert komponiert und liebevoll arrangiert. Barât hat für die Aufnahmen den Rock’n’Roll ziemlich rüde in der Ecke geparkt und eine klassische Britpop-Platte gemacht. Die Single Run With The Boys verbeugt sich vor The Jam, The Fall hat Barât mit Neil Hannon von Divine Comedy aufgenommen, was man auch hört. Shadows Fall leiht sich Harmonien bei Radiohead, in She’s Something singt er wie Ray Davies von den Kinks. Doch das Beste kommt erst noch, wenn Barât die Rolle des Melancholikers spielt. So Long, My Lover und What Have I Done? sind vielleicht – Libertines hin oder her – die besten Songs, die Barât je geschrieben hat. Wer nicht die Geduld für Balladen hat und eher heute als morgen neuen Libertines-Stoff braucht: Bei Je Regrette, Je Regrette gibt es diese herrliche Schlackergitarre.

Aber Vorsicht: Begleitet wird sie von einem Frauenchor.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 7.0/12

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