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0 Autor: Matthias Möde

Oceansize - Self Preserved While The Bodies Float Up

Self Preserved While The Bodies Float Up
  • VÖ: 03.09.2010
  • Label: Superball/Emi
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 210 - Schönheit der Ausgabe

Sieht man mal von ihrer Musik ab, sind Oceansize auch im 13. Bandjahr auf dem Boden geblieben. Die Band aus Manchester fabriziert auf ihrem vierten Album vor allem eins: außerordentlichen Rock. Wahlweise mit einem Prog- oder Post- davor.

Das war zuletzt nicht immer so. Die DVD-Box "Feed To Feed" und die reduzierte EP "Home And Minor" fielen ohnehin aus dem Rahmen. Aber auch der offizielle Vorgänger, das 2007 erschienene "Frames", zündete nicht so recht – konnte er mit den ersten beiden überragenden Alben doch einfach nicht mithalten. Das vierte Album, das im bandeigenen Studio in Manchester produziert und von Chris Sheldon gemixt wurde, hat es also nicht wesentlich einfacher. Und einfach gemacht haben es sich Oceansize mit "Self Preserved While The Bodies Float Up" in der Tat nicht. Das Album überzeugt als abwechslungsreiche Einheit, es versprüht den Wahn, der Sinne betäubt, der abgleiten lässt und einen doch wieder einholt. Weder mit der oben genannten Einordnung, noch mit anderen Ansätzen wird man einer solchen Platte gerecht. Wir könnten es mit Floskeln und Metaphern versuchen, könnten schreiben, dass Oceansize wieder fest im Sattel sitzen, durch ihre Klangteppiche reiten und meterhohe Gitarrenwände überspringen, um sanft in der nächsten, wunderbaren Melodie zu landen. Wir könnten eine gute Geschichte erzählen, sie vom Infoblatt abschreiben und erklären, dass die Welt eine gerechte wäre, bekämen Oceansize die Anerkennung, die sie aufgrund ihres musikalischen Schaffens verdienen; die ihnen nur deshalb verwehrt wird, weil sie seit über einem Jahrzehnt die gleichen, beschissenen Turnschuhe tragen. Ansätze, die nicht mal ansatzweise die Qualität dieses erstklassigen Albums widerspiegeln, die Qualität dieser Band, die mit wahnsinniger Macht Prog- und Postrock einschmilzt. Multipliziert man all diese Ansätze mit sich und mal tausend, ist man immer noch nicht nahe dran. Man kann aber einfach "Build Us A Rocket Then..." hören. Der dritte Albumtrack gaukelt einem vor, Oceansize hätten sich mit den klobigen Riffs von "Part Cardiac" und der Vorab-Single "SuperImposer", die kurz nach den Foo Figthers klingt, nur warm gespielt. Und trotzdem denkt man nach beiden Songs: Bitte genau so weitermachen. Bei der wohllautenden "Oscar Acceptance Speech", mit über acht Minuten einer von zwei Songs mit Überlänge, geht es einem nicht anders. Nach dem langen Geigen-Outro möchte man nichts anderes mehr hören. Würde nicht der nächste Track folgen, zu dessen ersten Tönen sich John Wayne und Clint Eastwood duellieren sollten. Kann diese Band einfach alles?, fragt man sich manchmal. Nein, die können und wollen nur Rock.

Leserbewertung: 9.9/12

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