Tweak Bird - Tweak Bird

Tweak Bird
  • VÖ: 27.08.2010
  • Label: Souterrain Transmissions/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 210

Diese Ehe funktioniert: Androgyner Gesang, der dem Stonerrock zu ungeahnter Sexyness verhilft.

So wird Tweak Bird zu einem in Noten präparierten Aphrodisiakum. Wahrscheinlich war seit dem Stecher-&-Muschi-Rock von Death From Above 1979 keine Platte mehr so willig. So gierig nach rhythmischen Bewegungen vor der Bühne und auf der Matratze. Dabei sind Caleb Benjamin (Gesang/Gitarre) und Ashton Leech (Drums) nicht ordinär. Wahrscheinlich legen sie es nicht mal auf Sex an. Es ist einfach ihre Musik, die diese Gefühle im Becken- und, ganz klar, im Nackenbereich erzeugt.

Es ist dieser Crunch.

Gitarrensounds, schimmernd wie mit Öl eingeschmierte, sonnengebräunte Haut. Und doch scharfkantig. Die beiden wummern und grooven prägnant in Pop-gerechten Dosen. Trotz allerlei psychedelischer Effekte klingt alles definiert, klar und lebendig. Wie von Abendsonnenlicht durchflutet. Das liegt an dem Können der Deaf Nephews AKA Toshi Kasai (neuer dritter Mann bei Big Business) und Dale Crover (Schlagzeuger der Melvins). Die hatten sich Tweak Bird schon für ihre Einstiegsdroge Reservations ins Studio geholt. Auf der kurzen Albumlänge von 27 Minuten veredeln sie jetzt die Songs der Band mit noch mehr Atmosphäre. Mit kleinen, liebevollen Details, die jedes der zehn Stücke zu einem funkelnden Tropfen spanischer Fliege machen. Wenn bei A Sun/Ahh Ahh im zweiten Teil das Saxophon einsetzt oder Flyin’ High (Peace, Alter) die Querflöte von Jethro Tull entstaubt, windet sich der Körper automatisch wie vom Trieb in Trance gezerrt.

Caleb sang auf dem Vorgänger so passend: „Sing me a song that sends shivers down my spine“. Geschieht hier, volle zehnmal.

Bewertung: 11/12
Leserbewertung: 9.4/12

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