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0 Autor: Daniel Gerhardt

Yeasayer - Odd Blood

Odd Blood

Yeasayer machen es sich schwierig: Das neue Album der New Yorker Experimental-Experten ist zum Haareraufen und Hirneschmelzen.

Das fängt an beim Freddie-Krüger-meets-Frankenstein-meets-Eraserhead-Coverartwork ihrer zweiten Platte "Odd Blood", und es geht mit einer Version von Elektro-Pop weiter, die in einem Moment wie Phoenix in noch zugänglicher klingt, aber im nächsten schon wieder findet, dass die düsteren Stimmen- und Stimmungsverfälschungen von "The Knife" noch viel düsterer sein müssten. Den Frühstart, den Yeasayer vor gut zwei Jahren mit dem weltmusikalisch aufgepeppten Brooklyn-Indierock von "All Hour Cymbals" hingelegt hatten, verpulvern sie hier also mutwillig für eine Neuausrichtung auf dünnem Eis: "Odd Blood" ist von vornherein kompakter und entschiedener Hinter dem Hit her, wirkt in seiner vorgeschobenen 80s-Synthie-Cheesiness aber auch weniger vertraut und beweglich. Den Zugang findet man diesmal deshalb über Einzelsongs: die atemlos gesungene Bettgeschichte von "Mondegreen" zum Beispiel, die nicht nur wegen ihrer sexuell befreiten Bläser ans letzte Album von TV On The Radio erinnert. Oder, noch einfacher: "Ambling Alp", das als bisher unverfrorenster und selbstbewusstester Popsong von Yeasayer aus dem grandiosen Gruselintro "The Children" entsteht und außerdem ihre Tradition der eigenartigen Deutschlandbezüge fortführt. In 2008 vom Debütalbum war es die Berliner Mauer, jetzt wird Max Schmeling beim Namen genannt, der in den 1930ern neben dem Italiener Primo "Ambling Alp" Camera zu den härtesten Gegnern von Boxlegende Joe Louis gehörte. Das nämlich hat sich bei Yeasayer nicht geändert: Sie fordern und belohnen, begeistern und belehren. Das Rockband gewordene Edutainment.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 9.5/12

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