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Japandroids - Post-Nothing

Post-Nothing
  • VÖ: 11.09.2009
  • Label: Polyvinyl / Cargo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 198 - Schönheit der Ausgabe

Manchmal bedarf es nur zweier Menschen, um die (Indie-)Welt zu retten.

Ob die 00er Jahre irgendwann als Dekade der Duos in die Musikgeschichte eingehen werden? Man muss festhalten, dass die musikalischen Zwei-Personen-Kombinationen gehörig die These ausgehebelt haben, dass eine Band nur mit Gitarre, Bass und Schlagzeug sinnvoll existieren kann. Begnadete Gegenbeweise für den Irrglauben gegen den Minimalismus tragen Namen wie Big Business, Tweak Bird, The Kills, The White Stripes, The Black Keys, Lightning Bolt, Black Cobra, Comanechi, Dark Castle, The Ax, Bygones, Ting Tings, Japanther, Two Gallants oder Death From Above 1979. Bleiben wir an Letzteren haften, dann sind wir den Japandroids auf der Spur. Denn wieder mal kommt eine Band, die die Blogosphäre in Euphorie versetzt, aus Kanada. Genauer: Vancouver/British Columbia. Eine Band wie Japandroids ist es, die diese Stadt zum Nabel der Indie-Welt werden lässt, obwohl sie mitnichten die einzigen sind, die aus dieser Gegend für Verzückung sorgen. Nicht, dass gleich der nächste Schwall Bandnamen gedropt wird – halten wir lieber fest: Kreativität ist in dieser Stadt zu Hause und tritt als bemerkenswerte Musik vor die Tür. Hier nun in Gestalt zweier junger Herren namens Brian King (Gitarre) und David Prowse (Schlagzeug). Die Grundformel für ihren Sound ist eine simple: zu zweit sein, aber möglichst vermeiden, so zu klingen. Lieber die Gitarre durch unzählige Effekte jagen, das Schlagzeug immer schön scheppern lassen und dabei aus zwei Kehlen singen, jammern, klagen, jauchzen. Eigentlich so simpel. Eigentlich so oft exerziert. Bei Japandroids reicht jedoch die Minimalbesetzung, um das Maximum zu erzeugen. Das Maximum an was eigentlich? Schwer zu sagen. Das ist rau und süß, nicht unbedingt sauber gespielt. Dabei entstehen zwischen Hall und zischenden Becken wahnsinnig schöne, mitreißende Melodien aus dem Nichts. Als hätten The Thermals die Kontrolle über Monotonix, diese israelischen Wahnsinnigen, übernommen. Vielleicht wird auch derjenige hier fündig, dem No Age nichts gaben oder dem beim NoFi-Punk von Wavves die Ohren schmerzen. Wenn „The Boys Are Leaving Town“ (Songtitel des Jahres!) in Shoegazer-Sounds fast erstickt, das Ganze losstürmt wie Punkrock und doch so viel süßen Pop in sich trägt, dann entsteht wohl so etwas wie Magie. Eine Magie, die alle acht Songs strahlen lässt. Voll angenehmer Naivität und Simplizität. Die Welt ist eh viel zu kompliziert. Da reicht es, Songs über Girls, Saufen und... äh... Girls zu schmettern. Schmettern!

Leserbewertung: 10.4/12

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