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0 Autor: Carsten Schumacher

Razorlight - Slipway Fires

Slipway Fires

Oh Johnny Borrell! Erst das weiße Trikot, jetzt die Perlenkette und ganz England schmeißt Dir Deine Texte um die Ohren. Dabei versuchst Du doch nur, Deinen Karriereplan umzusetzen und wie die Großen zu klingen. Andere könnten das so nicht.

Es war 2004 und Johnny Borrell war plötzlich da. Er sei, so hieß es, ein Ex-Libertine und schon schrieben alle, seine Musik sei ähnlich wie die der zu dem Zeitpunkt heißesten britischen Band. Zwei Jahre später suchte er mit seiner Band Razorlight stärker nach Alleinstellungsmerkmalen. Er habe, so berichtet er in Interviews, die viel zu simple Laut-Leise-Dynamik seiner alten Songs satt und habe sich musikalisch viel stärker um die Klassiker des Rock-Genres gekümmert, Springsteen zum Beispiel. Dazu legte er sich sein weißes Outfit zu (vgl. Johnny Cash = Man in black) und ging mit Horden junger Celebrity-Damen aus, wurde darüber auch in Tabloid-Kreisen zur Marke (vgl. Pete Doherty / Kate Moss). „In The Morning“ ging auf #3, „America“ auf #1 – geschafft! Borrell kommt mit seinen Songs in alle Radios, die ganz großen Bühnen sind nicht mehr fern. Er wäre auch nicht der Erste, der zu Beginn als Indieband auftritt, um im nächsten Schritt Volldampf auf die Arenen zu nehmen, das Prinzip kennt man von Nickelback und den Killers. Und natürlich auch das Prinzip Neid, wenn man dabei nicht strauchelt. Zum neuen Album „Slipway Fires“ kann sich die britische Presse hemmungslos austoben. Vor allem im Verspotten der Texte: „I am a sinner and I am a saint“, „I’ve been crucified just for telling my story!“ – Borrell mag es zunehmend pathetisch. Besonders für „These middle class kids are so strange!“ halten ihm die Besprechungen mit Wonne die eigene Herkunft vor. Der ehrwürdige Guardian meint im Hinblick auf die Texte sogar, bei noch mehr heißer Luft könne man Borrell im Bad an die Wand schrauben und zum Händetrocknen benutzen. Doch all das Gerede über sein Ego, seinen Geltungsdrang und Ehrgeiz vergisst, dass man auch erst mal Musik braucht, die all diesen Classic-Rock-Vergleichen (und letztlich auch den Texten) standhält: Springsteen, Costello, Meat Loaf, Fleetwood Mac, Whitesnake, Simon & Garfunkel – das ist alles kein Punkrock, aber trotzdem unverrückbare Rock-Geschichte. Klar laden Razorlight am Ende zu Arena-Konzerten, zu denen der Vater mit dem Sohn gehen kann, aber galten sie je als Speerspitze der Counter-Culture? Der Weg war von vornherein angelegt, im Gegensatz zu anderen überspringen sie nur die ein oder andere Station.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 6.2/12

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