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The (International) Noise Conspiracy - The Cross Of My Calling

The Cross Of My Calling
  • VÖ: 14.11.2008
  • Label: Epitaph/SPV
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 189 - Schönheit der Ausgabe

Die Revolution bleibt tanzbar? Auf jeden Fall ist ihr anzumerken, dass nach "Armed Love" Veränderungen im T(I)NC-Kosmos Einzug gehalten haben.

Und der gewährt Eintritt in eine Keimzelle, die sich langsam ausbreitet – alles beginnt in einer psychedelischen Ursuppe (klingt etwas irritierend nach Dire Straits meets Pink Floyd), die so lange hochkocht, bis "Assassination Of Myself" den Tiegel umstößt. Direkt, spielfreudig ohne Firlefanz, ein erster Hit nach vier Jahren Sendepause. Kein schlechtes Omen. Erneut mit einer Rick-Rubin-Produktion in der Hinterhand, die die Band letztlich ganz nah an den Höreindruck von "Survival Sickness" rückt. Allerdings ohne dessen unbedingte Drangphase, an dessen Stelle wurde das Ergebnis der abgeklärten Analyse der eigenen Stärken gesetzt. So aufgeräumt und auf den Punkt konzentriert klangen T(I)NC noch nie. Lyxzéns Stimme drängt sich weit in den Vordergrund, die Instrumentierung ist so analog aber gleichzeitig dynamisch klingend wie möglich. Tonbandgeräte anstatt Softwareoptimierung, gerade so, als säße man zusammengepfercht mit in den Verstärkerröhren. Das nennt man ja im Promo-Geschwurbel immer "die Live-Stärken auf Platte holen". Trifft hier jedoch zu, und die mächtige T(I)NC-Live-Kompetenz einzufangen ist ja kein schlechter Deal. Und ein anderes Faktum bestimmt diese Platte gleichermaßen: Die Noise Conspiracy kann nicht leugnen, dass es irgendwo dort draußen auch die Lost Patrol Band gibt. Was aber den eigenen Sound nicht schwächer macht, sondern die Griffigkeit ins Haus holt – "Dustbins Of History" ist Beweis genug. "Arm Yourself" lässt Zwischenräume für Stakkato-Soul, man erwischt sich dabei, ein Tamburin kaufen zu wollen. "Hiroshima Mon Amour" müsste man eigentlich hassen, weil es so klingt, als ob am Anfang kein Riff, sondern ein paar Handclaps gestanden hätten. Einfach, aber effektiv – ein Rattenfängertrick, der auf simpelste Rhythmus-Affinitäten zielt. Aber so funktioniert "The Cross Of My Calling" – vertraut, ohne Rückfrage greift die Platte die Erwartungshaltung des Hörers auf und durchmengt diese mit neuem Input. "Child Of God" etwa, dessen Mittelteil-Gejamme auch prima bei den Doors hätte Unterschlupf finden können. Der Tonabnehmer glüht vor Vorfreude. Und zuletzt mit knapp neun Minuten dann der Rauswerfer: "Cross Of My Calling" suhlt sich im weißen Soul, driftet in repetitiven Schleifen dorthin ab, wo "The Cross Of My Calling" begann. Ins Irgendwo. Zurück bleibt der Eindruck, dass dies die stärkste T(I)NC-Platte geworden ist.

Leserbewertung: 8.0/12

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