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Caesars - Strawberry Weed

Strawberry Weed

Vier-Ohren-Test

Nach längerer Abstinenz jetzt das ganz große Song-Fass: 24 Lieder, die gekonnt die Vergangenheit beackern, zugleich aber überzeugend im Hier und Jetzt stehen.

Das war geschickt: Nachdem die Landsmänner The Soundtrack Of Our Lives – bisher gebucht auf die Top-Position des schwedischen Retrorock – vorübergehend im Off verschwanden, setzten sich die Caesars nassforsch auf ihren Thron. Dies tun sie mit so viel Verve, Witz und guten Songs, dass es den Kollegen von TSOOL schwer fallen dürfte, diesen Posten einfach so wieder zu übernehmen. Viel konsequenter hätte sich das schwedische Quartett nicht in die Vergangenheit transferieren können; zwar atmete ihr knuffiger Indie-Powerpop schon immer ein wenig 60s – so eindeutig rückwärtsgewandt klangen sie aber nie. Wüsste man es nicht besser, würde man hinter diesem Doppelalbum eine ausgezeichnete, bislang unentdeckte Kollaboration der Kinks, Monkees, Who und John Lennon vermuten, die sich im Heute ein wenig Studiotechnik besorgten und im Stillen ein kleines Masterpiece des Mersey Beats zusammenschraubten. Gut und okay: Das muss man mögen; wer kein Faible für die 60er mitbringt, wird diese Platte ohnehin ziemlich unnötig finden. Wer sich aber über schlicht gut komponierte Songs und eine ausgezeichnet klingende, aber doch betont alte Ästhetik freut, die man in dieser antiken Prägnanz lange nicht vernahm, könnte "Strawberry Weed" zu seinem definitiven Spaßalbum des Frühlings küren.

9/12 sascha krüger

Running Gag, bevor die neue Caesars-Platte hier aufschlug: "Ist da wieder ‚Jerk It Out‘ drauf?"

Als das Album im CD-Player rotierte, lachte (fast) keiner mehr. Den Caesars ist da ein großer Fehler unterlaufen. Oder Übermut hat sie befallen. In jedem Fall hat ein schmerzhafter Fauxpas da seinen Weg auf zwei Datenträger gefunden. Denn für ein Doppelalbum, und das ist es ja schließlich geworden, braucht man gute Argumente, namentlich gute Songs, aber die Caesars haben auf "Strawberry Weed" wenig von Interesse zu vermelden. Langweilig, uninspiriert, und es beschleicht einen das Gefühl, dass die Schweden es nicht mehr draufhaben, ordentlich Fahrt aufzunehmen. Ob die den Erdbeer-Shit selbst geraucht haben? Wenn ja, macht das Zeug reichlich dröge, man wünscht sich Insulin für die Ohren. Ein bisschen Shalalala hier, ein bisschen Retro-60s da, alles so halb: halb konsequent, halb interessant, nur halb so gut wie früher. Von zu viel Zuckerwatte wird einem ja auch schlecht. Wenn man Power aus ihrem Power-Pop streicht, bleibt anscheinend nichts über. Und das ist Wasser auf die Mühlen derer, die das Format Album als Selbstbedienungsladen begreifen. Würde man "Strawberry Weed" auf die Hälfte reduzieren, könnte man ganz gut mit diesem Output leben. Aber so mäandriert das Album zum großen Teil im Konzept-Nirwana, präsentiert einiges, was mehr nach Outtake oder Skizze klingt, und versucht, einem das als Errungenschaft unter die Nase zu reiben. Nein, dann doch lieber freiwillig "Jerk It Out" auf Repeat und von früheren Zeiten zehren.
<br< 6/12 nils klein

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