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0 Autor: dennis plauk

I Like Trains - Elegies To Lessons Learnt

Elegies To Lessons Learnt
  • VÖ: 05.10.2007
  • Label: Beggars/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 176 - Schönheit der Ausgabe

Der Titel sagt es: eine Indie-/Dark-Wave-/Postrock-Elegie in elf Aufzügen. Und apropos Züge... Auf Debütalbumlänge leben iLiKETRAiNS ihren Eisenbahn-Fetisch erst richtig aus.

"Progress – Reform" gehörte zu den bemerkenswertesten Kleinformaten 2006. Nach Art Brut im Jahr zuvor schien dem Londoner Label Fierce Panda mit iLiKETRAiNS und ihrer Debüt-EP der nächste große Coup geglückt – wenn auch stilistisch in der gegenüberliegenden Ecke: Humor, geschweige denn Klamauk war das Letzte, was man in der Musik von iLiKETRAiNS suchte, diesem zähen, pechschwarzen Teer aus Post- und Indierock, morbiden Geschichten und einer unterkühlten, gleichzeitig seltsam fiebrigen Atmosphäre, der man schwer entkam. Vielleicht zu viel des Imagewechsels für ein Label mit Bands wie Coldplay, Keane und The Polyphonic Spree im Roster – nach der EP war jedenfalls Schluss für iLiKETRAiNS und ihr Entdeckerlabel Fierce Panda. Das erste Album der fünf Schwarzmäntel aus Leeds erscheint auf Beggars Banquet Records, einer Plattenfirma, die in der Vergangenheit oft ein glückliches Händchen hatte mit den eher lebensverneinenden Vertretern der Rockmusik (bei Gelegenheit könnten sich iLiKETRAiNS bei Bauhaus, The Cult oder Fields Of The Nephilim erkundigen). Was nun auf dem Debütalbum "Elegies To Lessons Learnt" anders läuft als auf der EP und der Handvoll Vorab-Singles, die mit teils beachtlichen B-Seiten bestückt waren? Nichts – es sind bloß mehr Stücke darauf, in denen iLiKETRAiNS ihre unnachahmliche Schwarzmalerei betreiben. Man könnte allerdings sagen, das Konzept der Band – so undurchschaubar es bis ins letzte Detail ist – entfaltet sich erst hier und jetzt in seiner ganzen majestätisch dunklen Pracht. Denn iLiKETRAiNS brauchen Zeit. Zwar ist "Elegies To Lessons Learnt" keines der vielbeschworenen "Grower"-Alben per se, auf denen eine Band um sieben Ecken denkt und man unter zehn Hörläufen nicht hinterherkommt – fesselnd, einnehmend ist es von Anfang an. Doch was sich unter den wabernden (wenn nicht explosiven) Gitarren und bedingungslos reduzierten (wenn nicht explosiven) Drums verbirgt, unter den traurigen Mariachi-Trompeten, schweren Celli und der enigmatischen Stimme David Martins, ist ein Gesamtkunstwerk. Es beginnt bei den Ölgemälden, die iLiKETRAiNS kreieren und als Covermotive verwenden, es setzt sich über ihren Eisenbahn-Fetisch fort, der nicht nur den Bandnamen, sondern fast jeden Text irgendwie bestimmt, und es endet wer weiß wo. iLiKETRAiNS übersetzen "Dark Wave" finsterer als Interpol, amerikanischer als Editors und individueller als beide zusammen.

Leserbewertung: 9.2/12

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