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0 Autor: Patrick Großmann

Pelican - City Of Echoes

City Of Echoes
  • VÖ: 29.06.2007
  • Label: Hydra Head/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 173 - Schönheit der Ausgabe

Brutal wie ein Bulldozer und filigran wie Wassertropfen, garstig, doch fragil: Falls es so was wie Post-Metal tatsächlich geben sollte, zelebrieren ihn Pelican in Formvollendung.

Zwei sich umtänzelnde Gitarren, ein Bass wie ein Fels in der Brandung und ein Schlagzeug, das mal an Verstopfung leidet, dann wieder urplötzlich losgaloppiert wie von der Tarantel gestochen. Mehr brauchen Pelican nicht, um Himmel und Hölle zu erkunden und zwischendurch auch mal entspannt die Beine baumeln zu lassen. Ihre Herkunft Chicago weist zumindest teilweise den Weg. Denn wenn nicht ausnahmsweise mit beiden Füßen die Doublebass malträtiert wird oder das Quartett knietief durch Doom-Metal-Schlamm watet, wird ohne falsche Bescheidenheit durch den Zementmischer gejagt, was vom Postrock à la Tortoise, Slint oder Trans Am übrigblieb. Dass sie mit diesem zähflüssig-atmosphärischen Bastard bei Aaron Turners Label Hydra Head andockten, nimmt zumindest dann kaum Wunder, führt man sich einmal vor Augen, in welchen genreübergreifenden Sphären Isis mit "In The Absence Of Truth" mittlerweile selbst angekommen sind. Anders als die gehen Pelican rein instrumental zu Werke, doch das bedeutet keinen Bankrott auf inhaltlicher Ebene: Wo sich die ersten beiden Platten "Australasia" und "The Fire In Our Throats Will Beckon The Thaw" noch an für derlei Sound Naheliegendem wie Mutter Natur und ihren Gewalten abarbeiteten, nähert sich die Band auf "City Of Echoes" wagemutig einem weitaus abstrakteren Themenkomplex: dem Unterwegssein des Dauerreisenden und dem damit verknüpften Gedanken an eine sämtliche kulturellen Unterschiede mehr und mehr einebnende Globalisierung. Ob man das heraushört? Natürlich nicht. Wer sich indes durch zwei schwächere, weil vergleichsweise eindimensionale Tracks zu Beginn sowie Drummer Larry Herwegs teils besorgniserregend freie Tempi nicht ins Bockshorn jagen lässt, den erwarten auch so wahre Offenbarungen. "Winds With Hands" etwa bezieht seinen ganzen Reiz aus zwei sich überlagernden Akustikgitarren im Widerstreit, bevor "Dead Between Walls" das zart keimende Pflänzchen ohne langes Getue mit dem tiefergelegten Panzer zermalmt. Das abwechslungsreiche "Spaceship Broken – Parts Needed" wiederum endet in donnerndem Akkordgewitter, geht aber nicht ohne ein versöhnliches Dauergrinsen von Bord. Und wer all das in Reinkultur – und inklusive erhabenem Atemstillstandfinale! – erleben will, kommt am überragenden, filigran aufgeschichteten "Far From Fields" nicht vorbei. Was für ein Zauber unter Krusten aus Dreck.

Leserbewertung: 10.0/12

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