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0 Autor: Britta Helm

Wir Sind Helden - Soundso

Soundso

Nett sind sie immer noch, die Gesellschaftspopper aus Berlin mit den einst so tollen Texten. Aber die Gänsehaut ist dahin.

Krasse Sache. Hat Pola Roy doch tatsächlich nicht nur einen Friedrich bekommen, sondern außerdem quasi gleichzeitig mit für ein neues musikalisches Heldenbaby gesorgt. Das heißt nicht ganz so hip altmodisch, aber ähnlich knapp und ist das dritte, also eigentlich ein kompliziert antizipiertes, aber bei den vier Berlinern gelten ja ungleich nettere Maßstäbe. Die haben sie sich vor vier Jahren mit "Die Reklamation", diesem Sommernachtsgänsehautalbum voller politisch guter Hektiken und kleiner Herzzerreißer ehrlich verdient und mit "Von hier an blind" ausgereizt, das ungefähr so originell war wie sein Konsenscomicartwork, also schon noch ein bisschen, aber nicht mehr ganz so doll. "Soundso" kommt in Bauklötzchenfarben daher und hat vorsichtshalber schon mal das mittelsperrige "Endlich ein Grund zur Panik" vorausgeworfen, das dann doch wieder Lust machte auf neue Taten statt Epen. Leider darf die erste Single erst an Stelle acht von zwölf herumspringen; vorher geht es trompetenzahm, elektrofrei und mild betextet nicht so richtig zur Sache. Die Wörter allein kribbeln nicht mehr. Fast so clever ergreifend wie immer widmet sich endlich "The Geek (Shall Inherit)" den Schulhofalleinstehern, dann kommt auch schon die Panikhymne, gefolgt vom angenehm humorlosen "Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst" und an vorletzter Stelle singt Holofernes im leisen "Stiller" weise: "Ich bin nicht stiller/ Nur die Worte fehlen/ Ich bin nicht stiller/ Nur die Worte verfehlen ihr Ziel". Wir sind Helden fliegen weiter, aber sie retten keine Leben mehr.

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 6.7/12

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