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Mike Ness - Under The Influences Vol. One

Under The Influences Vol. One

4-Ohren-Test

Mike Ness hat Blut geleckt. Zwei Solo-Alben innerhalb eines knappen halben Jahres - nach „Cheating At Solitaire“ nun „Under The Influences Vol. One“. Der Titel ist Programm, das Material des Albums besteht aus 13 Cover-Songs, wobei er sich bei dem Schlussstück „Ball And Chain“ als Songwriter von Social Distortion selbst covert. Was er mit „Cheating At Solitaire“ bereits angedeutet hat, treibt er nun zur Perfektion. Er läßt die musikalischen Weggefährten seiner Kindheit und Jugend zu Wort kommen, hier ertönt quasi die Musikbox seiner Eltern. Und die verwöhnten ihn mit Hank Williams, Carl Perkins, Bill Anderson, Harlan Howard oder Sonny Curtis. Namen, die in Deutschland kaum eine Sau kennt, dargereicht in einer Musikform, die in Deutschland kaum eine Sau nachvollziehen kann: Country-Rock und Western-Blues. Puren Rock’n’Roll findet man auf „Under The Influences“ gerade mal beim Opener „A Thief In The Night“ von Harlan Howard. Punk-Rock glänzt durch Abwesenheit, dafür steht der Sonny Curtis-Klassiker „I Fought The Law“ als Synonym für erstklassigen Abgeh-Country-Rock detailgetreu im Stil der späten Fünfziger Jahre. Hier erfüllt sich ein Mann einen Traum, den er sich dank des überwältigenden US-Erfolges von „Cheating At Solitaire“ ein zweites Mal erfüllen darf. Und der Zusatz „Vol. One“ lässt vermuten, dass da noch traumhafte Nachschläge in petto sind. Social D.-Fans werden wohl noch etwas warten müssen...
Ralph Buchbender 10



Ich habe bestimmt nichts gegen Blues-, Country- oder Rockabilly-Style, und ja, die meisten Tracks wie z.B. der Einstieg„All I Can Do Is Cry“ gehen auch noch ganz amtlich ab, aber insgesamt kommt mir im Verlauf von Mike Ness‘ persönlichem Tribute-Album „Under The Influences“ doch eher das Gähnen der Enttäuschung. Wie Herr Buchbender bin auch ich Fan und habe mich auf diese Platte gefreut wie auf jeden Release des Meisters of Cool-Ness. Aber so langsam wird es doch mal wieder Zeit für eine neue Social Distortion-Scheibe, schließlich liegt das letzte Meisterwerk „White Light, White, Heat, White Trash“ jetzt schon einige Jahre zurück, und so toll die Live-Platte und das Solo-Werk auch sind - der Hunger auf Stoff von den Kult-Punks wird langsam unerträglich. Herr Ness sollte sich mal vor Augen führen, dass die Fans einer bestimmten Band nicht unbedingt was mit den Einflüssen jener Combo am Cowboy-Hut haben müssen. Ein Cover von Bobby Fullers „I Fought The Law“, das ja auch schon durch die Clash zu punkigem Ruhm gekommen ist, lassen sich sicher auch SD-Junkies gefallen, und auch die schmissigen Adaptionen von Marvin Rainwater und Marty Robbins gehen für sich genommen in Ordnung. Klar sind Hank Williams und Carl Perkins zwei ganz große, wichtige Namen der Rockgeschichte, doch ein ganzes Album mit „Ghostriders“-mäßigen Gitarren strapazieren die Geduld einfach über Gebühr. Hätte er halt einfach eine schicke 10“-EP gemacht, dann ein SD-Album, und dann eine „Vol. II“-EP, wäre der Rockhimmel voller Banjos gewesen, aber direkt nach „Cheating At Solitaire“ ist diese Altherren-Platte („One More Time“ beispielsweise driftet in triefende Schluchz-Blues-Gefilde ab) einfach eine Spur too much. Go back to your own roots, man!
6

Bewertung: 10/12
Leserbewertung: 8.0/12

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