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1 Autor: Daniel Gerhardt

Dinosaur Jr. - Beyond

Beyond

So schlürfig und schlampig wie eh und je: Das Comeback-Album von Dinosaur Jr. hat die letzten 15 Jahre einfach übersprungen.

Wenn es Uniformen für Gitarristen gäbe, so richtig mit Abzeichen, Orden und Bändeln, dann sähe das passende Stück für J Mascis wohl aus wie eines der grotesk behängten Oberhemden, mit denen sich Ugandas Ex-Diktator Idi Amin immer schmückte. In den letzten 20 Jahren haben eben nur wenige Leute so viel mit ihrer Gitarre angestellt wie Mascis, und es drängt sich deshalb schon die Frage auf, warum er sich die Studio-Reunion mit dem schwierigen Lou Barlow und dem kaputten Murph, also der Dinosaur-Jr.-Originalbesetzung, überhaupt noch mal angetan hat. Die Antwort wäre vermutlich ein genuscheltes "Darum!", so wie schon die gemeinsamen Konzerte der letzten zwei Jahre (etwas lauter) genuschelte "Darum!"s waren und auch "Beyond" ein (rührend nostalgisch) genuscheltes "Darum!" ist. Vom alten Cover-Schriftzug und -elend über die spektakulär unnötigen Schlachtermeister-Soli bis zur sentimentalen Quasi-Ballade, die immer schon dazugehört hat, steckt diese Platte in den späten 80ern fest. Von der ersten Sekunde an ist klar, dass alles andere ohnehin die Höhe wäre. "Beyond" bringt es dadurch fertig, auf alle Erwartungshaltungen zu scheißen und sie gleichzeitig zu bedienen. Das eigentliche Ereignis ist aber: Die undefinierbare Sehnsucht und tiefe Verletzlichkeit, die Mascis auch im 24. Jahr als Berufsmusiker noch in der Knödelstimme stecken. Und natürlich trägt er weiterhin die lila-gelbe Adidasjacke, keinen Uniformquatsch.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 9.9/12

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Kommentare (1)

Avatar von HIEBI HIEBI 09.02.2010 | 11:47

...mal wieder rausgekramt, nachdem farm so grossartig geworden ist und das interesse am gesamten backkatalog wieder geweckt hat. Seltsam wie der opener almost ready dumpf, schlampig und übersteuert aus den boxen dröhnt - absicht? - wirkt eher irgendwie unprofessionell. Klasse song trotzdem.
Mit crumble wird der sound dann deutlich besser - oder hat sich nur das gehör justiert? Spätestens jetzt wirds eine packende angelegenheit. Murph's schlagzeugspiel harmoniert perfekt mit der verschrobenen aber eingängigen struktur der songs und gibt ihnen eine richtung ohne sich jemals zu sehr in den vordergrund zu drängen. Dort stehen zweifellos und wie schon immer mascis' gitarrenfiuren und v.a. seine abenteuerlichen melodiebögen bei den soli - spannende ausflüge die unvorhersehbar aber nie richtungslos sind und immer wieder zum song zurückfliessen, wieder und wieder ausbrechen um sich schliesslich am ende doch wieder zu versöhnen.
9/12

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