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0 Autor: Armin Linder

The Blood Arm - Lie Lover Lie

Lie Lover Lie
  • VÖ: 02.02.2006
  • Label: Because/Warner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 166 - Schönheit der Ausgabe

Freunde und Verwandte von Franz Ferdinand, die ein Mehr an Humor, Klavier und Vielseitigkeit auffahren. "I like all the girls, and all the girls like me." Klingt nach einer rosigen Zukunft.

"Yo! I lay down some fuckiiin' hits!" Eine unmissverständliche Parole eröffnet das Debüt von The Blood Arm. Das Pumpen der Drums und der selbstbewusste Gesang stellen schnell klar, dass wir es mit einem weiteren Vertreter aus dem Postpunk-Stall zu tun haben. Die in diesen Kreisen übliche, glamouröse Legende zur Bandgründung haben auch The Blood Arm in petto. Demnach gab Filmstudent Nathaniel Fregoso in einer Karaokebar im Korea-Viertel von Los Angeles eine derart herzzerreißende Performance zum Besten, dass ihn jemand vom Fleck weg ansprach. Sein Name lautete Zebastian Carlisle, er konnte Gitarre spielen – und wenig später war eine Band geboren, die Großes vorhatte. Dafür haben sie sich feist an die entsprechenden Leute rangeschmissen: Franz Ferdinand nahmen die vier mit auf Tour, lobten sie bei jeder Gelegenheit und gaben sich als heimliches Vorbild für den einen oder anderen Song von "Lie Lover Lie" her. Doch The Blood Arm sind mehr als nur ein Abklatsch, kennen mehr als nur einen Stil und ein Tempo. Vor allem Keyboarderin Dyan Valdés macht mit ihrem sprunghaften Geklimper den Spielwitz der Band zu einem echten Brüller. Der Hit, dessen Namen man sich merken sollte, weil man sonst bald irgendeinen DJ danach fragen müsste, heißt "Suspicious Character". Dort findet das uralte Live-Singspielchen, das sich kaum eine Band verkneifen kann, endlich seinen Weg von der Bühne auf eine Platte: "I like all the girls, and all the girls like me", skandiert Fregoso die Hookline, brüllt ein "Everybody come on!" hinterher, dann klimpert das Keyboard die Melodie alleine und animiert die Crowd zum fröhlichen Mitmachen. Unwiderstehlich ist das. Wie auch "Angela", das eine freche Adam Green-Attitüde mit Woohoo-Chören und der wenig schmeichelhaften Zeile "I miss you like a nuclear bomb" verbindet. "The Chasers" wird von einem Supertramp-Intro ins wohlige Verderben getrieben, "Going To Arizona" ist ein Road Trip, bei dem beinahe das Kühlwasser überkocht. Und "Mass Murder" oder "P.S. I Love You But Don't Miss You" pimpen Postpunk-Blech mit Keyboard-Breitreifen. Vielleicht haben The Blood Arm nicht die Hitdichte ihrer berühmten Freunde von Franz Ferdinand, dafür aber jede Menge anderer Trümpfe in der Hinterhand. Allen voran ihre Unberechenbarkeit. "Do I Have Your Attention?" Aber ja doch.

Leserbewertung: 7.0/12

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