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Kylesa - Time Will Fuse Its Worth

Time Will Fuse Its Worth
  • VÖ: 10.11.2006
  • Label: Prostetic / Soulfood
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 165 - Schönheit der Ausgabe

Die Kinder des Urzeitmonsters: Kylesa sind dort (Crust-)Punk, wo Mastodon Prog sind. Rau, rasend und dank zwei Schlagzeugern auf der Fährte von Neurosis.

Originalität ist ein ernstes Thema. Keine Band möchte ein Abklatsch sein, fast jede aber beansprucht für sich den essenziellen Funken Originalität. Der Funke eben, der eine Band interessant, anders oder wichtig macht. Auch hat der Originalitätsfaktor Einfluss darauf, wie leicht sich eine Band einordnen lässt. Kylesa lassen sich nicht einfach einordnen. In ihrem Fall hat das wohl mit Originalität zu tun. Das fängt schon bei der Besetzung an. Gleich drei Menschen sind fast gleichberechtigt an Gesang und Gegrunze, Geschrei und Gezeter beteiligt. Sogar Gitarristin Laura Pleasants schont ihre Stimmbänder nicht. Zum ersten Mal gönnen sich die ursprünglichen vier Kylesas den Luxus eines zweiten Schlagzeugers. Und wir wissen von The Warlocks, Broken Social Scene und Trail Of Dead: Das macht was her, besonders live. Doch den Typen aus Savannah geht es wahrscheinlich weniger um optische Präsenz, denn um einen dichten Sound. Der ist auf "Time Will Fuse It's Worth" deutlich dreckiger als auf dem von Alex Newport (At The Drive-In, The Icarus Line) produzierten Vorgänger "To Walk A Middle Course“. Die Basis war diesmal DIY. Gitarrist Phillip Cope hat selber Hand angelegt, Laura hat sich um das (wieder mal) tolle Artwork gekümmert. Eine Sludge-Schlacht ist es geworden. Massige sieben Song plus Intro, Intermission und Outro. Ein tonales Inferno. Ein Bild des Grauens. Ein Szenario als würden auf übergroßen Panthern reitende Barbaren in einer unwirtlichen Sumpflandschaft mit stacheligen Peitschen auf Amazonenjagd gehen. Wenn man die Fantasie wieder einpackt und sich von seinen Assoziationen nicht überrumpeln lässt, kann man auch im nüchternen Zustand viel an Kylesa entdecken. Da wäre dann wieder die Originalität, das Vermengen von Stilen zu einem unantastbaren Amalgam. Alles, was in Hartmusikkreisen allgemein als cool gilt, findet bei Kylesa eine neu arrangierte Verwertung: Sludge, Doom, Crustpunk, Death Metal. Gewürzt mit Elementen aus Hardcore, Stoner, Prog und Noise. Dass das leicht bekömmlich ist, behauptet niemand. Spröde, aber nicht dröge ist die Maxime. Hinzu kommt ein szeneinterner und auch musikalischer Zusammenhalt mit befreundeten Bands wie Baroness, Akimbo, Doomriders, Coliseum oder Torche. Diese Clique ist unaufhaltbar, unwiderstehlich, originell. So wie Kylesa.

Leserbewertung: 8.8/12

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