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Audioslave - Revelations

Revelations

Vier-Ohren-Test

Eine Band, ein Sound? Auf dem Papier vielleicht. Die Realität sieht anders aus. Als hätten sich Morello, Cummerford und Wilk bei Rage Against The Machine gelangweilt, überraschen Audioslave auf jedem Album neu. Diesmal ist es mehr Funk, weniger Rock, mehr Groove und weniger Melodie. Obwohl Cornell im Vorfeld behauptete, "Revelations" sei vom R&B beeinflusst und Morello sich mit einem grenzwertigen Vergleich (siehe unten) aus dem Fenster stürzte – Audioslave-Alben stehen im Supermarktsortiment trotzdem immer ganz vorne. Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier würde sagen: "Mit meine Hände Arbeit..." Denn: Ein Sonderangebot ist das hier nicht, aber auch kein Billigprodukt. Die Musiker nehmen ihren Job ernst, erweitern ihr Repertoire um Anleihen bei unüblichen Verdächtigen (siehe noch mal unten) und werden dadurch nicht langweilig. Wenn man Cornell etwas vorwerfen darf und muss, dann die Tatsache, dass ihm langsam die Textbausteine ausgehen (oder ist der Computer abgestürzt?). Eine Offenbarung sind Titel und Texte wie "Shape Of Things To Come" nicht. Sollte es eine ironische Verbeugung vor Klassikern sein? Dann war es die einzige. Audioslave sind nämlich eine Rockband, und Ironie steht dort nicht auf der Agenda. Audioslave-Hassern spielt diese Platte in die Karten, die Fans werden zufrieden sein, denn Abwechslung ist garantiert.
9/12 Jörg Staude

Ihr letztes Album "Out Of Exile" wies die Richtung zum Song, zur großen Geste mit introspektivem Text, zur Zurücknahme des Zockens im Dienste des schlichten, ergreifenden Liedes. "Revelations" greift diesen Weg leider nur in zwei Songs wieder auf. "Wide Awake" und "Sound Of A Gun". Diese beiden Wonneproppen zeigen, wie es funktionieren kann. "Wide Awake" mit weltumarmender, kraftvoller, von Chris Cornells Power-Organ bis in die Anden gerufener Melodie und ohne unnötige Schnörkel. "Sound Of A Gun" mit dem unnachahmlich fetten Groove-Rock-Einstieg, der zur Strophe den Schwitzkasten löst und Cornell eine Soundgarden-Gedächntis-Melodie singen lässt, deren Atmosphäre ausgerechnet vom Refrain geklaut wird, der ausdruckslos vor sich hin wippt. Und da liegt der Haken des ganzen restlichen Albums. So wie Audioslave es schaffen, einen Song zu schreiben, dessen Strophe stärker ist als der Refrain, so verzetteln sie sich in allen restlichen Nummern in beliebigem, handwerklich perfektem Funkrock, der süffig ist, aber nicht die Bohne berührt. "Zwischen Led Zeppelin und Earth, Wind & Fire" kündete Tom Morello an und manchmal könnte man genauso gut sagen: "Zwischen Everlast, Lenny Kravitz und Live." Es gibt feine Details: Kleine Gitarrenbosheiten von Morello, sachte Irritationen. Alles in allem aber Middle-of-the-Road-Rock und Musiker-Session in einem. Back in Exile.
6/12 Oliver Uschmann

Leserbewertung: 8.2/12

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