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0 Autor: Daniel Gerhardt

Graham Coxon - Love Travells At Illegal Speeds

Love Travells At Illegal Speeds

Keine Lieder über Liebe: Graham Coxon hält mit galligen Rocksongs die Stellung als nerdiger Großonkel von Arctic Monkeys und Co.

Es ist ein Kreuz mit Graham Coxon und seinen Beziehungen. Vor rund vier Jahren traf er vielleicht die wichtigste und beste Entscheidung seines Lebens, als er bei Blur ausstieg, fortan die Finger vom Fusel ließ, sein Leben meisterte und ernste Ambitionen als Solokünstler entwickelte. Vier Alben hatte er da bereits abseits der Hauptband veröffentlicht, aber erst mit "Happiness In Magazines" schwor er 2004 schlampigen Aufnahmen und kruden (Post-)Punk-Entwürfen ab. Die Platte verkaufte sich überraschend gut, Coxon gewann einen Brit-Award, und doch sollte erneut das Ende einer Beziehung seinen künftigen Werdegang prägen. Coxon machte Schluss mit seiner langjährigen Freundin, tauchte sogleich ab in der Arbeit an "Love Travels At Illegal Speeds" und vollbrachte wiederum einen Befreiungsschlag. Als Texter zeigt er sich offenherziger und bissiger, aber von Trennungsschmerz und Selbstmitleid ist nichts zu spüren. Stattdessen höhnische Songs über Londons Nachtleben, ein rührendes Stück für die eigene Tochter, immer wieder Beziehungen, aber niemals Liebe, wie Coxon betont. Und erst die Songs: spritzig und schlank, energisch und biegsam, ausgebremst nur von einigen Balladen, die vergebens um Besinnung bitten. Es ist schon verblüffend, dass Coxon damit plötzlich auf der Höhe der Zeit musiziert. Er hat schließlich nur ein paar nostalgische Rocksongs mit knackenden Riffs, spielfreudigen Gitarrensoli und ausgesprochen zwingenden Refrains geschrieben. Hits, könnte man sagen. An Kalkül ist dabei nicht zu denken. Dafür brodelt es dann doch viel zu sehr unter der Oberfläche dieses Albums.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 9.0/12

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