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0 Autor: Philipp Welsing

Amusement Parks On Fire - dto.

dto.

Schwärmerisch schöner Indie von vier Briten. Nicht etwa die Sorte Indierock, die Emo abgelöst hat, als er zu peinlich wurde. Eher die Sorte um 1990. Und noch so viel mehr.

Sanft der Start, schwer krachig der Rest. Und psychedelisch. Und durchweg Indie (ohne Rock), breit melodisch; mit so viel Liebe zum Song, dass man eigentlich weinen möchte. Man meint, man würde dem Trio das Herz brechen, hörte man nicht ganz genau hin bei ihren Songs, oder sie hätten Angst, dass ihnen jemand ihre Musik wegnimmt – so liebevoll klammern sie sich an jeden Akkord, jede windige Sonic Youth'sche Steigerung, jedes gesungene Wort, das mal nach Kevin Shields auf viel Hall, dann wieder nach Yo La Tengo klingt. "Venus In Cancer": junge Dinosaur Jr, späte dEUS, die frühen Neunziger. Aber Amusement Parks On Fire belassen es nicht dabei. Ihre Stücke öffnen sich gen Ende vollends, klingen behände aus, zerfließen förmlich. Ähnlich wie Sigur Rós das hinbekommen. Gehauchte Feedbacks auf dünnem, seidenem Fundament. Produziert dabei, als gelte es, offensichtliche Rock-Breitenkompatibilität zu vermeiden: mit Bedacht, immer gebremst. Um ungewollte Aufschneiderei im Keim zu ersticken. "Asphalt (Interlude)" segelt mit Piano aufs offene Meer, betört mit leisen Rückkopplungen und gibt den Weg frei für "Smokescreen", das vorantreibt, aber von Sänger Michael Feerick stets im Zaum gehalten wird. Im Ganzen: die Indie-Version von Aereogramme. Amusement Parks On Fire schmeißen nicht mit Molotow-Cocktails, wie ihr Name vermuten ließe. Sie entzünden ihr Feuer tief drinnen im ganzen Körper. Das hier kann eine große Liebe werden.

Bewertung: 9/12

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