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0 Autor: André Boße

Isobel Campbell & Mark Lanegan - Ballad Of The Broken Seas

Ballad Of The Broken Seas

Der Popwelt schönste Blume trifft den knorrigen Baum und überzeugt ihn davon, dass Suff nur dann okay ist, wenn man auch Augen für die Schönheit hat. Wie hübsch das harmoniert.

Dies ist eine Platte voller Klischees. Das fängt schon beim Blick aufs Albumcover an: das zarte Highland-Rehlein Isobel Campbell und der kantige Grantler Mark Lanegan. Die unberührte Schottin (zumindest klingt sie so), die früher beim unnahbaren Kollektiv Belle And Sebastian sang, und unser liebster Holzfäller aus dem Wald der Screaming Trees. Sie steht vor dem Spiegel, er lungert auf dem Bett. Sie will ins Kino, er will Sex. Sie ist die Schöne, er das Biest. Und jedes Lied dieser ersten Kooperation auf Albumlänge (nach ersten Annäherungen auf einzelnen Tracks in der Vergangenheit) bestätigt die Eindrücke dieser Schlafzimmer-Szenerie: Da ist sie, die sehr leise in den höchsten Tönen haucht; da ist er, dessen Gesang wie Erde klingt. Das Happy End liegt auf der Hand: Am Ende liegen sie sich doch in den Armen, denn Gegensätze ziehen sich an, und man sucht ja im anderen immer gerne das, was man selber gar nicht hat. Die Popgeschichte ist voll von solchen Duetten – von Nick Cave und Kylie Minogue über Ike und Tina Turner bis hin zu, auf Quartett-Ebene, ABBA. Und auch wenn diese Balladen nur eine Randnotiz dieses poptheoretischen Zweigs sein mögen, schön und wertvoll sind sie allemal. Das Album beginnt etwas gestelzt ("Deus Ibi Est" klingt wie ein Bewerbungsstück für einen Tarantino-Soundtrack, also nach Auftragsarbeit), aber spätestens mit dem Titelstück (in dem Lanegan von seinen vielen Lastern berichtet und Campbell im herzzerreißend vergibt, denn der gebrochene Mann ist tiefgründig wie das Meer, und Frauen mögen das) erliegt man dem Reiz dieser Lieder, die in ihrem Wechselspiel zwar vorhersehbar sind, aber doch ans Herz gehen. So klingt das Album mal wie Morricone im Watteland, mal wie Calexico ohne Schnaps. Weil Isobel Campbell auch vorzüglich Cello spielt, setzt sie einige schöne instrumentale Ausrufezeichen und dürfte den als missmutigen Charakter bekannten Mark Lanegan gut im Griff gehabt haben. Also erst ins Kino, dann aber auch gerne Sex, denn ganz so verhuscht, wie sie singt, ist sie gar nicht. Das steht – wie so einiges auf dieser bezaubernden Platte – zwischen den Zeilen.

Leserbewertung: 8.0/12

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