Zur mobilen Seite wechseln
13.06.2005 | 12:32 0 Autor: Oliver Uschmann RSS Feed

Der ewige Patient

Verdoppelung der Hilfen, Schuldenerlass und fairer Handel sind die Ziele von Bob Geldofs 'Live 8', das am 02.07. in mehreren Städten gleichzeitig statt findet. Im Vorfeld wird das Ereignis auch von Kritik flankiert. Und von politischen Entscheidungen.

Kritik kommt dabei etwa von Damon Albarn, der seinen Auftritt absagte, da die gut gemeinte Großveranstaltung ein schlecht wirkendes Bild von Afrika zeichne. Die Konzertreihe präsentiere den Kontinent nicht als ebenbürtigen Partner, sondern ausschließlich als "scheiterndes, krankes, erschöpftes Land" und zementiere somit das negative Klischeebild des ewigen Opfers. Eine Art Mitleidsrassismus, der auf symbolischer Ebene mehr kaputt macht, als er pragmatisch-politisch erreichen kann.

"Dieses Land ist so unglaublich vielfältig", sagt Albarn und kritisiert auch die Bandauswahl, in der farbige Künstler unterrepräsentiert seien. "Schwarze Kultur ist ein integraler Bestandteil unserer Gesellschaft geworden, warum zum Teufel ist die Besetzung dann so angelsächsisch? Wenn du eine Party im Namen dieser Menschen veranstaltest, dann haust du denen doch nicht die Tür vor der Nase zu. In gewisser Weise macht 'Live 8' allerdings genau das. Es bringt dir Afrika keinen Schritt näher."

Bob Geldof gerät derweil schon vorher ins Jammern. Er hält es für sehr unwahrscheinlich, dass 'Live 8' die Teilnehmer des G8-Treffens im schottischen Gleneagle Anfang Juli zur Umsetzung der geforderten Ziele bewegen könnte. Dabei wird der gute Mann nahezu von der Geschichte überrollt. Schon vergangene Woche beschlossen die Finanzminister der G8-Industrienationen einen Schuldenerlass von mehr als 40 Milliarden für 18 Staaten, darunter Äthiopien, Bolivien, Ghana, Mosambik, Nicaragua oder Ruanda. Bei Umsetzung von demokratischen Reformen und Bekämpfung der Korruption im Land können sich weitere Länder für einen kompletten Erlass qualifizieren. Die ersten 18 Länder erfüllten diese Bedingungen bereits.

Ein Teilziel auf dem Weg zu Entschuldung, Entwicklung und fairem Handel, wegen dem auch U2-Sänger Bono letzte Woche beim EU-Präsidenten vorgesprochen hatte, scheint somit erreicht. Kritiker monieren, dass der Beschluss von letzter Woche teilweise ein Etikettenschwindel sei, da nicht allen Ländern gleichmäßig die Schulden erlassen wurden und sie zudem noch bei weiteren Entwicklungsbanken außer dem IWF, der Weltbank und der Afrikanischen Entwicklungsbank Schulden hätten, die unangetastet blieben. Ferner sei es ungerecht, vier südamerikanischen Ländern ihre Schulden bei der Afrikanischen Entwicklungsbank zu erlassen und dabei einige afrikanische Länder selbst auszuschließen.

Eine breite Koalition von Aktivisten mobilisiert derweil unter dem Motto Make Poverty History zu Protesten beim G8-Treffen in Schottland und findet lobende Worte zu Bob Geldof's diesjährigem 'Live 8', da es hier nicht um bloße Spendensammlungen gehe, sondern mit den gigantischen Gratis-Konzerten unter Motto "We don't want your money - we want you!" in London, Paris, Berlin, Rom und Philadelphia ein massives Zeichen gesetzt werde.

Bitte einloggen, wenn du diese News kommentieren möchtest.