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29.11.2022 | 13:00 0 Autor: Online Redaktion RSS Feed

10 Songs mit... Pale

News 33021

Foto: Pale

In unserer Rubrik "10 Songs mit..." stellen Musiker:innen zehn Songs zu einem Thema zusammen und erzählen, was diese ihnen bedeuten. Heute: Holger Kochs und Jürgen "Hilly" Hilgers von Pale stellen die Lieblingssongs ihrer Jugend vor.

Holger Kochs (Gesang/Gitarre):

01. Hüsker Dü – "Pink Turns Blue"

Einer der wenigen Kehrseiten an Schallplatten ist, dass man irgendwann deren Seiten wechseln muss. Mein Bruder Stephan und ich verbrachten Jahre unserer Jugend damit, darum zu streiten, wer denn jetzt an der Reihe ist, die Platte umzudrehen. Vor allem bei dieser: "Zen Arcade" war unser weißes Album. Perfekte Pop-Songs mit diesen wahnsinnig verzerrten Gitarren. As good as it gets.

02. Talking Heads – "Once In A Lifetime"

Auch diese Platte hörten wir, bis sie vollkommen verkratzt war. "Stop Making Sense" ist von der ersten bis zur letzten Sekunde noch immer DER Konzertfilm überhaupt. Und "Once In A Lifetime" der Übersong, der auch 42 Jahre später so klingt, als wäre er gerade erst geschrieben worden. Ganz zu schweigen vom Text, der unser Leben im Kapitalismus in 4 1/2 Minuten auf den Punkt bringt: "And you may find yourself..."

03. Dead Kennedys – "Kill The Poor"

Natürlich verstand ich mit 14 maximal 10 Prozent dessen, was die Dead Kennedys da zu sagen hatten. Aber ich schauten mir über Stunden jede Zeile, jeden Zentimeter dieser Platte an. Die Schrift! Das Cover! Und dann noch die anderen Singles des Albums "Fresh Fruit For Rotten Vegetables" ist das perfekte Debüt und für uns immer schon Blaupause dafür gewesen, dass man auf einer Platte nicht mehr als 35 Minuten braucht, um alles Wichtige zu sagen.

04. Texas Is The Reason – "Back And To The Left"

Dumme Dinge, die man in seiner Jugend tut, Teil 128: Konzerte mit seiner Lieblingsband veranstalten, nur um in deren Vorprogramm spielen zu können. Ausschließlich aus diesem Grund fanden sich Texas Is The Reason auf ihrer Tour 1997 in Aachens CBGB wieder. Wir standen mit offenem Mund vor der kargen Bühne des AZ und fragten uns bei jedem nächsten Song, wie unfassbar gut eine Gitarrenband denn nur klingen kann. So wollten wir auch sein.

05. The Smiths – "The Queen Is Dead"

Jahrzehnte bevor Morrissey zu lange bei 4chan rumhing und zu einem reaktionären Arschloch mutierte, hörten Stephan und ich diese Platte bis uns unsere Mutter wieder einmal ermahnte, dieses Gejammer endlich auszumachen. Taten wir natürlich nicht und verteidigten ihn, seine Texte und Gesang abends am Küchentisch mit allem, was wir hatten. Lange ist es her.

Jürgen "Hilly" Hilgers (Bass):

01. The Toy Dolls - "Dig that Groove Baby"

1989. Ich damals 14 Jahre und mein erstes Konzert. Punks, Oi-Skins, Psychobillys, Rude Boys oder Mods. Heutzutage schmerzlich vermisste Jugendkulturen durch eine Band vereint und für mich ein Einblick in neue Welten. Eine unfassbare Bühnenshow voller Energie, Absurdität und Humor. Eine Band, die ihr eigenes Genre erschaffen und das über 40 Jahre konsequent durchgezogen hat. Meine Liebe für diese Band musste ich über all die Jahre mehr verteidigen als dass ich neue Leute gefunden hätte, die mit mir zu diesen Konzerten fahren. Im Pale-Tourbus hatte ich Toy Dolls-Verbot - außer ich saß nachts am Steuer und "Dig that Groove Baby" hielt mich wach und gut gelaunt während die anderen schliefen.

02. Braid – "Milwaukee Sky Rocket"

"Frame & Canvas" war für uns zu "Another Smart Move"-Zeiten Ende der Neunziger stilprägend und ja, wir haben uns reichlich bedient. Tricky und arty, melodisch und melancholisch, ruhig und wild und das alles in jedem einzelnen Song. Zu der Zeit neu und aufregend. Post-Hardcore oder Emo oder wie auch immer man das bezeichnen will. Eine Platte, auf die wir uns über einen langen Zeitraum alle einigen konnten und die mir jetzt beim Hören immer noch Gänsehaut beschert.

03. Handsome – "Dim The Lights"

Eine einzige Platte. Von vorne bis hinten düster, brachial und trotzdem mit so viel Melodie. Eine Supergroup aus Ex-Mitgliedern von Quicksand, Cro-Mags und Helmet. Die Drop-D-Gitarrenstimmung haben Holger und Christian [Dang-anh] mehrfach verwendet. Schade, dass es bei dieser einzigen Platte geblieben ist. Vielleicht auch gut so. Besser hätte man einen Nachfolger eh nicht machen können.

04. Descendents – "Everything Sux"

1996. Das Jahr meines Einstiegs bei Pale. Auf einmal war sie da. Und ich wurde beim ersten Hören von der Wucht der meines Erachtens bestproduzierten Punk-Platte aller Zeiten an die Wand genagelt. Weltbester und selbst von den Descendents selbst nie mehr erreichter Gitarren- und Basssound. Diese Platte löste unter uns eine langjährige Liebe für das Schaffen um Bill, Steven, Karl mit Sänger Milo als Descendents oder mit Chat, Dave und Scott als All aus. Mein einziges Tattoo – 1996 gestochen - bezeugt den Eindruck, den die Personen auf mich in dieser Zeit gemacht haben.

05. Ramones – "R.A.M.O.N.E.S"

Dazu muss man nicht viel schreiben, das hat Lemmy schon erledigt:

"New York City N.Y.C./ Pretty mean when it want to be/ Black leather, knee hole pants/ Can′t play no highschool dance/ Fuzz tone, hear'em go, hear′em on the radio/ Misfits, twilight zone/ R.A.M.O.N.E.S/ R.A.M.O.N.E.S/ RAMONES!"

Spotify-Playlist: 10 Songs mit... Pale

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