0 Autor: Ingo Neumayer

Beatsteaks - Smack Smash

Smack Smash

Ein dreckiges Dutzend Songs, frei von der Leber weg: Die Beatsteaks fangen ihren Live-Charme nun auch im Studio ein. Das Ergebnis wirft und bläst einen um.

Keine Frage: Wenn man Punk als musikalisches Spielfeld mit streng gezogenen und von emsigen Schiedsrichtern bewachten Seitenauslinien versteht, haben sich die Beatsteaks schon vor längerer Zeit aus diesem Sport verabschiedet. Wenn man allerdings Punk als ideologischen Überbau, als Geisteshaltung definiert, die erstens die Freiheit von Erwartungen und Konventionen als höchstes Gut preist und zweitens zudem noch zulässt, dass das alles gern auch verdammt viel Spaß machen darf, dann haben sich die Beatsteaks mit "Smack Smash" den Bundesverdienstiro am Nietenhalsbande verdient. Denn mit ihrem vierten Album machen die fünf Berliner einfach alles richtig. Siehe beispielsweise die Produktion: Die bisherigen Platten krankten stets ein wenig daran, dass man (logischerweise) immer das Bild dieser begeisternden Liveband vor Ohren hatte, gegen die die Studioaufnahmen auf Dauer nur den Kürzeren ziehen konnten. Die Beatsteaks regieren die Bühne, das weiß Produzent Moses Schneider ganz genau, und schickte die Jungs deshalb auf eine Studiotour quer durch Berlin, wo die Songs immer und immer wieder live eingespielt wurden. Das Ergebnis ist erfrischend wie ein Gin Tonic auf Eis und klingt so ehrlich, direkt, und damit eben auch so wie die Faust aufs Auge passend zu dieser Band, dass man sich fragt, wieso niemand früher auf diese doch eigentlich so naheliegende Idee gekommen ist. Ohne Handbremse und Sicherheitsnetz schöpft die Band hier aus dem Vollen, das Schlagzeugspiel von Thomas Götz ist höchst präsent und variabel, und auch Arnim Teutoburg-Weiß singt so gut, kraftvoll und eindringlich wie noch nie. Hinzu kommt, dass selbst bei akribischer Suche kein wirklicher Song-Ausfall auf "Smack Smash" auszumachen ist. Keep it simple and listen to your heart – so lautete hier die Devise. Die Beatsteaks machen kein Geheimnis daraus, dass sie in letzter Zeit in ihren Plattensammlungen gerne mal zwei Dekaden zurückgeblättert haben, und so durchweht die Songs bisweilen eine fette Police- und The Clash-Wolke. Siehe etwa "Hello Joe", eine mit allen Songwriting-Wassern gewaschene Hommage an Joe Strummer. Gerade bei dieser Nummer zeigt sich deutlich die musikalische Reife der Band, die hier nämlich nicht plump abkupfert, sondern nach ausgiebiger Clash-Analyse den Bauch einschaltet. Das Ergebnis ist schlichtweg überwältigend und hätte, 20 Jahre früher veröffentlicht, durchaus die Rettung für das durchwachsene "Combat Rock"-Album bedeuten können. "Ain't Complaining" wiederum atmet einerseits in Sachen Rhythmus und Gesangslakonie recht deutliche Strokes-Luft (deren Produzent Gordon Raphael hat auch mal im Studio vorbeigeschaut), ist auf der anderen Seite aber viel zackiger gerifft, als dass man den Berlinern hier unschöne Unterstellungen machen müsste. "Vision" ist ein gewitzt arrangierter und komponierter Hammerschlag in feinster Foo Fighters-Manier, "Hand In Hand" eine dieser Nummern, die die hübsche Frau auf dem Beifahrersitz nach zehn Sekunden mit einem begeisterten "Cool, wer ist das denn?" lauter dreht, während sich "Loyal To None" als 75 Sekunden langer Black-Flag-White-Riot-Wutklumpen von Gitarrist Bernd Kurzke entpuppt, der auch Nick Oliveri gut zu Gesicht und Stimme gestanden hätte. Und so geht es hier Schlag auf Schlag voran; die längste Nummer dauert gerade mal 3:25 Minuten, und die erste Atempause bietet sich nach dreißigeinhalb Minuten – wenn das Album vorbei ist, dem man hinterher mit einer Beschwerde ein Kompliment macht: zu kurz. Denn "Smack Smash" rockt, wie lange nichts mehr gerockt hat, und davon kann und will man nicht genug kriegen.

Leserbewertung: 9.5/12

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