0 Autor: Daniel Thomas

Archive - The False Foundation

The False Foundation

Archive klangen immer schon nach Endzeitstimmung in Schlips und Kragen. Dem Soundtrack-artigen Ansatz für futuristische Dystopien bleiben sie auf ihrem zehnten Studioalbum treu, geändert hat sich das Verhältnis zwischen Postrock und Elektronik.

Zwei Dinge werden direkt zu Beginn von The False Foundation deutlich: Das elfköpfige Kollektiv aus London arbeitet erstens nach dem Weniger-ist-mehr-Prinzip und ist zweitens ganz nah an seine TripHop-Wurzeln gerückt. Der pianolastige Opener Blues Faces tropft beinahe acht Minuten lang so gemächlich aus einer grauen Wolkendecke, dass hier niemand in überbordender Kreativität ersäuft. Die Singleauskopplung Driving In Nails an zweiter Stelle dreht über hypnotischem TripHop beinahe in Richtung Industrial ab und macht deutlich, dass das Elektronische in ihrer Musik nicht länger Zusatz ist, sondern Basis. Mit diesen beiden Stücken sind die Grenzen von Archive 2016 abgesteckt. Denn was folgt sind Entweder-Oder-Songs: The Pull Out und False Foundation spinnen die Einsen und Nullen bis in den Krautrock hinein. Bright Lights und A Thousand Thoughts begnügen sich mit dem, was vom Postrock bei Archive noch übrig ist – nämlich meistens nur Piano. Diese Stücke taugen beinahe als Referenz an Radiohead-Balladen, ohne jedoch deren emotionalen Tiefgang zu erreichen. Danny Griffiths und Darius Keeler haben als kreatives Duo hinter Archive die Platte selbst aufgenommen, produziert und schließlich über das bandeigene Label veröffentlicht. Wahrscheinlich wäre mit einer außenstehenden Person, die Archive die Krawatten abnimmt und auch mal ein Fünckchen Euphorie herauskitzelt, deutlich mehr drin gewesen.

Bewertung: 7/12

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