"Freundschaft ist Kunst", sie sagen es. "Jazz ist anders" war das Wir-sind-wir-Gefühl nach dem zermürbenden Einzelkämpfer-Doppel "Geräusch". Für "Auch" mussten die Ärzte gar nicht erst lernen, wieder eine Band zu sein. So erklärt sich vielleicht das routinierteste Album ihrer Karriere.
"Ist das noch Punkrock?", fragt Farin Urlaub im ersten Refrain des zwölften Ärzte-Albums, aber seine eigene Band kann er damit nicht meinen: Die Ärzte sind längst von Gewissensfragen dieser Art befreit, die sie sich eigentlich eh nie hätten stellen müssen, weil sie ihren Punkrock von Anfang an ironisch gebrochen haben – lange bevor sie zum Pop-Phänomen wurden. Manche Leute werden auch Auch zum Anlass einer erschöpfenden "Wie viel Pop darf Punk?"-Debatte nehmen. Lasse reden, über das Ende der Ärzte wird ja auch mit jeder neuen Platte spekuliert. Man kann sich das natürlich fragen: Wie wäre es, wenn auf "Auch" wirklich nichts mehr folgt? Dann hätten Die Ärzte ein Vierteljahrhundert Karriere mit der abgeklärtesten Platte beendet, die ihnen einfallen konnte. Das muss man nicht gut finden, aber man kann es durchaus. Denn immerhin würde am Ende das Bild einer Band stehen, die alles gesagt hat, was zu sagen war – und das obwohl sie aus drei sehr unterschiedlichen Charakteren mit teils sehr unterschiedlichen Ideen bestand. So verzichtet "Auch" auf große Experimente; ein Disco-Beat, eine Synthie-Polka, Inneneinsichten von Rod, etwas Kulturpessimismus von Bela und etwas mehr Falsett von Farin sind das höchste der Gefühle. Innovation findet auf Auch eher am Rand statt, aber auch ein solches Ärzte-Album brauchte es wohl mal. Vielleicht ist man auch einfach ein bisschen zu verwöhnt von ihnen. Und allein das spricht ja schon Bände.
Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 7.8/12
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