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Taint Secrets And Lies

VÖ: 26.10.2007 | Label: Rise Above/Soulfood
Text: Jan Schwarzkamp

Diese Südwaliser haben mehr Riffs in einem Song als manche Bands auf einer ganzen Platte. Das ist Prog-Postrock-Wahnsinn im Sludge-Sound mit Hardcore-Wut im Bauch.

Ein bisschen dick aufgetragen klingt das schon, wenn man sich all dieser Beschreibungen bedient. Aber die Musik von Taint aus Swansea trägt eben dick auf. Die Songs sind randvoll mit Helmet-haften Riff-Kaskaden, als hätten sich Taint aus einer Sattelschlepperladung immer gleich einen ganzen Sack für jeden Song ausgesucht. Das passiert wahrscheinlich automatisch, wenn man als Band schon seit 1994 existiert, aber nach einer Mini-CD (“Die, Die Truthspeaker”, 2000), zwei Split-EPs und einem Debütalbum (“The Ruin Of Nová Roma”, 2005) erst jetzt das zweite Album aufnimmt. Da hat sich Druck angestaut. Druck, den dieses… äh… Powertrio perfekt kanalisiert: unnachgiebig, intensiv, gnadenlos groovend. Zum puren Gitarren-Gehacke mit sinnlosem Ideen-Aneinandergereihe verkommt “Secrets And Lies” schönerweise nicht. Hier können sich Mucker wie auch Freunde geradlinigen Rüpelrocks bestens aufgehoben fühlen. Beeinflussen lassen sich Taint schließlich am liebsten von den ganz Großen: Zeppelin, Sabbath, Floyd, Bad Brains, Minor Threat. Mit ihrer Übersetzung und Verschmelzung dieser Einflüsse begeben sie sich in stilistische Gefilde von amerikanischen Geistesverwandten wie Baroness, The Sword oder Torche. Damit auch alles schön dreckig, sägend und druckvoll klingt, haben die drei mit Ex-Fudge-Tunnel/Nailbomb-Mitglied Alex Newport (Melvins, The Locust) den passenden Mann fürs Studio gefunden. Von der zunächst schweinerockig eröffnenden Blutgrätsche “Hex Breaker” sollte man sich übrigens nicht irritieren lassen. Der Song ist bald viel näher dran an Helmet als an Hellacopters. Was folgt, sind teilweise ellenlange Irrgärten voll plötzlicher Kurven und versteckter Falltüren. Immer so spannend und rasend, so flink und doch so bewehrt, als wäre der Band eine Horde Orks auf den Fersen. Die einzige Verschnaufpause bietet das mit gar nicht peinlichen Mittelalter-Elementen (Flöte etc.) versetzte “What The Crow Saw” – aber auch nur kurz. Das Trio webt einen so dichten Teppich, da darf man fragen, wie sie das mit nur einer Gitarre schaffen. Bei Taint geben die Finger von James Isaac alles – und das reicht. Als Quasi-Bonus dann noch eine 12-minütigen Reise, die sich zurücknimmt, spacerockig im Raum schwebt, bis sie unter gurgelndem Bass gaaaanz langsam ausklingt. Eine Platte, wie ein deftiger Hauptgang mit leichtem Dessert. Macht satt uns ist perfekt abgestimmt.

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