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Dirty Pretty Things Waterloo To Anywhere

VÖ: 05.05.2006 | Label: Vertigo/Universal
Text: Dennis Plauk

Die Gründung von Dirty Pretty Things las sich als Unabhängigkeitserklärung von Libertine zu Libertine. Was personelle Konsequenzen hatte, aber wenig musikalische.

“Oh, du bist von VISIONS? Habt ihr unser Album schon?” Ja, seit zwei Tagen. Ich mache die Rezension. “Und, was wirst du schreiben?” Weiß nicht. Viel Gutes, glaub ich. “Okay, schreib: Carl Barât will, dass die Welt weiß… dass wir… dass… Nein! Schreib einfach, was du meinst. Was es zu sagen gibt, steckt in der Musik, alles da. Ich bin nicht besonders in diesen Dingen. Worte und das.” – Falls spontane Miniinterviews auf Kölner Kneipentoiletten demnächst der neue heiße Scheiß im Rockjournalismus werden (ex!klo!siv!), haben wir hiermit den Anfang getan. Müssen aber prompt intervenieren: Dass Carl Barât nicht gut mit Worten kann, nehmen wir ihm nicht ab. Dafür ist “Waterloo To Anywhere” ein auch textlich zu gewichtiges Album geworden. Eines, das von Wandel und Neubeginn erzählt, von Vertrauen, gebrochenem Stolz und wiedererlangtem; von Eruptionen, ohne ihrem Epizentrum den Namen Peter Doherty zu geben. Es mag bloß ein Zufall sein, wie sehr der Titel dieses Debüts dem von Babyshambles ähnelt, und wahrscheinlich ist es Quatsch, deshalb gleich anzunehmen, das dritte Libertines-Album hätte “Waterloo To Albion” geheißen. Aber weil wir eh schon dabei sind und man als Libertines-Fan geübt im Kopfrechnen ist (was ergibt The Libertines minus Doherty minus x plus y plus z?): Wenn das Verhältnis von Schmiss und Fahrigkeit bei Babyshambles 30 zu 70 beträgt, verhält es sich bei Dirty Pretty Things umgekehrt. Nach hinten franst die Platte etwas aus, doch in der ersten Hälfte gibt sie, was sie kann. Hooks und Kraft und Rock’n’Roll. Da ist Dramatik in der Stimme Barâts, aber auch Zärtlichkeit, Romantik und kaum Pessimismus. Da poltern Drums unter den Clash-Gitarren, dabei hat Mick Jones nicht einmal produziert. “Bang Bang You’re Dead” ist das neue “Fuck Forever”, ein Punksong für den Indie-Floor, gefühlte 20 Britpopcombos stark. Und unter den vielen “Up The Bracket”-Reminiszenzen ja in bester Gesellschaft. Wahrscheinlich wird es Peter Doherty in Zukunft Carl Barât gleichtun und auf Nachfrage behaupten, er habe “Waterloo To Anywhere” nie gehört. So viel Trotz gönnt sich die Hassliebe der zwei. Dabei könnten sie sich doch jetzt, mit ihren neuen Bands und deren sehr unmissglückten Alben, auf ein Unentschieden einigen.

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