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0 Autor: Christian Wiensgol

Millencolin - SOS

SOS
  • VÖ: 15.02.2019
  • Label: Epitaph

Inhaltlich ist "SOS" Hilferuf und Rettungsanker zugleich. Musikalisch halten es Millencolin mit den Vorbildern Bad Religion: souveräne Konstanz mit etwas Varianz.

Das war so nicht abzusehen. Schon die Tatsache, dass Millencolin es als einzige Protagonisten des schwedischen Skatepunk-Flügels lebend aus den 90ern herausschafften – und das nicht irgendwie, sondern über mittelgroße Hallen –, war eine kleine Überraschung. Danach blieben die guten Ideen und Alben aus, konstant liefen nur die Touren. Pünktlich zur Punk-Reunion-Welle der vergangenen Jahre gehören Millencolin nun zu den Wenigen, die sich nicht wiedervereinigen, sondern nur kurz schütteln und auf alte Stärken berufen müssen. "True Brew" klang vor fast vier Jahren tatsächlich so, als wäre das eine Fingerübung. Millencolin zeigten sich darauf frisch und mit dem politischen "Sense & Sensibility" sogar angriffslustig. So ausgelutscht es klingen mag, "SOS" macht genau da weiter. Von dem Dutzend Songs auf ihrem neunten Album hat fast jeder eine politische oder gesellschaftliche Ebene. Belanglosigkeit ist pointierten Beobachtungen gewichen, die immer ohne Zeigefinger und meist ohne Faust auskommen. Die besondere Leistung bleibt die Hoffnung, die Songs wie "SOS", "Sour Days" und "Trumpets & Poutine" trotz der trostlosen Zeiten versprühen, die sie abbilden. Dazu trägt maßgeblich die Musik bei, die beweist, dass "True Brew" kein letztes Aufbäumen war. Der Nachfolger beinhaltet ein paar ihrer besten Melodien und stellt klar, dass es hier nicht um das Abspulen der immer gleichen Leier geht, im Zweifel auch mit abwegigen Ideen. Kinderchor, Vocoder und orientalische Harmonien? Funktioniert alles hervorragend – ganz ohne Spaßpunk.

Bewertung: 8/12

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