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0 Autor: Daniel Thomas

Biffy Clyro - A Celebration Of Endings

A Celebration Of Endings
  • VÖ: 14.08.2020
  • Label: Warner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 329 - Schönheit der Ausgabe

Es wäre ein Leichtes gewesen, Biffy Clyro nach dem mediokren "Ellipsis" abzuschreiben und die Band namentlich dem Kommerz preiszugeben. Mit "A Celebration Of Endings" darf man wieder umdenken und die spitzen Worte in den Papierkorb schmeißen.

Als Biffy Clyro zwei Nummern kleiner und die Outfits aus der psychatrischen Klinik zu Zeiten von "Infinity Land" noch so präsent waren wie die nackten stylisch tätowierten Oberkörper, die später dominierten, gerieten die Singles ihrer Platten zu magisch-bombastischen Aushängeschildern einer infektiösen Rockband, die zu dritt lauter und knackiger klang als ihre doppelt so umfangreiche Konkurrenz. Heute gilt dieses Prinzip nicht mehr. Der Charakter ihrer Singles hat sich stark gewandelt und zielt vor allem auf Allgemeinverträglichkeit ab. Gut also, dass Biffy Clyro nicht nur Singles schreiben – obwohl sie sicherlich könnten. Dann wäre womöglich vieles im Stil des vorab veröffentlichten "Tiny Indoor Fireworks" geraten, mit viel "Hey Heys", einem ultra-eingängigen Mitsing-Chorus, der die Rotation im Radio sichert und im direkten Vergleich zum inzwischen sieben Jahren alten "Black Chandelier" noch einmal mehr Kanten abschleift. Vom EDM-geschwängerten "Instant History" ganz zu schweigen, das mehr mit Imagine Dragons als den Foo Fighters zu tun hat. Passend dazu meinte Kollege Burger bei der Veröffentlichung zum Soundtrack "Balance, Not Symmetry": "Andernorts klingen Biffy Clyro wie Linkin Park auf dem 'Transformers'-Soundtrack. Und das darf kein Ziel sein". Die Schotten verfolgen noch immer andere Ziele, auch wenn diese beiden Vorboten den Faden des geschniegelten Vorgängers aufnehmen und dazu verleiten, die Platte vorzuverurteilen – bis man erstmals "North Of No South" hört, wo Simon Neils verspielte Gitarren erste Zweifel beseitigen. Gefolgt von "The Champ" und "Weird Leisure", die mit ihrem ausladenden Alternative-Rock auch prima auf "Opposites" oder "Only Revolutions" untergekommen wären. Die Embryonalstellung auf dem Cover von "Ellipsis" weicht passenderweise einem verspielten Artwork, das bunt die Stile mixt, damit eine opulente Ballade wie "Opaque" wie selbstverständlich zwischen dem punkigschroffen "The Pink Limit" und dem lauten Schlusssong und Höhepunkt "Cop Syrup" stehen kann. Hier kumuliert alles, was Biffy Clyro über die vergangenen beiden Jahrzehnte stark gemacht hat: rhythmisch perkussive Prog-Haken, Impulsivität, Energie und Streicher, die schier endlos ihre Tonhöhe verändern. Es ist ihr bester Song seit langem, gerade weil man ihnen eine solch herrlich schallende Ohrfeige fast nicht mehr zugetraut hätte. Auf einmal wirken sogar die Outfits aus der Klinik wieder passend.

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