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0 Autor: André Bosse

Suede - The Blue Hour

The Blue Hour

Wenn’s dunkel wird: große Dramen in atemberaubender hoher Qualität.

Schon auf der vergangenen Platte "Night Thoughts" spielten sich die Glam- und Britpop-Veteranen in eine ganz neue Dimension: Gekoppelt an Gedanken zum Alter und zur Sterblichkeit nahmen Brett Anderson und Band gloriose Dramen auf, führten sie zusammen mit einem Film auf, der die Musik mit aufwühlenden Bildern begleitete. Wer glaubte, dieses Album sei das finale Aufbegehren einer einst großen Band, wird sich nun wundern: "The Blue Hour" ist noch besser. Brett Anderson singt schaurige Songs über die Stunde, wenn der Tag zuneige geht, die Nacht Einzug erhält. Erst ist es noch hell, niemand hat Angst. Dann kommt die Dunkelheit – es wird beklemmend. Eingerahmt von Field Recordings der Suche nach einem verlorenen Kind (aus Sorge wird Panik, aus Panik Paranoia) spielen Suede großartige Lieder, begleitet von den Prager Symphonikern, die aus den Stücken wirkliche Dramen machen. Ein derart ambitioniertes Konzept hätte auch in die Hose gehen können: zu viel Pathos, Kitsch und Kalendersprüche. Aber Brett Anderson versteht es noch immer, die Gefühle klanglich so abzubilden, dass man als Hörer unweigerlich drinsteckt in diesen morbiden Welten. Ein Stück wie "Tides" mit seiner simplen Melodie und seinem komplexen Arrangement erinnert gleichermaßen an The National und Radiohead im Hymnenmodus, "Life Is Gold" und "Wastelands" zeigen, dass Suede weiterhin in der Lage sind, große Popsongs zu spielen – jedoch mit einer beeindruckenden musikalischen und lyrischen Komplexität. Ob unter den Altgedienten oder den neuen Gruppen: Es gibt derzeit in Großbritannien keine Britpopband, die Suede das Wasser reichen kann. Eine überraschende Entwicklung.

Bewertung: 10/12

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