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0 Autor: Sascha Krüger

A Guy Called Gerald - To All Things What They Need

To All Things What They Need

Ein Elektronik-Pionier im neuen Jahrtausend: Nach 20 Jahren atmosphärischer Tanzraketen glüht jetzt nur noch die Atmosphäre. Musik, die sich sehr weit ausdehnt.

So richtig bekannt ist er hierzulande eigentlich nur beim eingefleischten Elektronik-Fan. Dabei war der Ur-B-Boy aus Manchester immer vorne mit dabei: Ersann als Mitglied von 808 State eine organische Version des frühen 80er-Rave-Wahnsinns, dachte sich hernach die erste Acid House-Hymne aus und revolutionierte in den 90ern Drum'n'Bass mit seinen offenen Sound-Exkursionen. Nun, im neuen Jahrtausend, hat er vom Tanzen weitestgehend genug. Seine Musik geht jetzt weiter: Er schichtet subtile Rhythmus-Patterns verschiedenster, gleichwohl meist gedrosselter Tempi, auf denen sich eine Klangwolke ausbreitet, die vor allem von einem lebt: Atmosphäre. Er entwirft Sounds mit Seele und koppelt sie mit allem, was Sinn zu machen scheint: orientalische Elemente, Tabla-Percussions, Schaltkreis-Britzeleien, weiche Flächen, verrücktes Fiepsen, fiese Basswalzen, nuckelnde Acid-Schrauben, Ambient-Minimalismus, Spoken Word-Poetry von Ursula Rucker, suchende Gesänge eines Finlay Quaye. Und und und. Dass er damit wieder mal visionär, weil einzigartig ist, ist klar. Aber ist er auch gut? Das muss jeder für sich entscheiden – den einen wird’s umhauen, der andere schläft schon bei Minute acht. Für Leute, denen Massive Attack immer zu poppig und Tricky zu bekifft waren.

Bewertung: 9/12

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